Kunst macht was sie will

Februar 17, 2018 § 36 Kommentare

 

Sie hören gerne Madrigale von Gesualdo, diesem begnadeten Komponisten des Barock? – Vorsicht: der Mann war ein Mörder!

Sie gehen gerne in eine Wagner-Oper? Achtung: Der Komponist war Antisemit!

Sie lieben das völkerverbindende Chorfinale der neunten Symphonie von Beethoven? Bedenken Sie bitte, dass dieser Mensch die Ideale seiner Kunst im Alltag nicht annähernd erreichte, vielmehr seine Verleger regelmäßig über den Tisch zog und den eigenen Neffen erst per Gerichtsbeschluss der Mutter entzog und ihn dann durch erdrückende Bevormundung in den Selbstmordversuch trieb.

Sie lieben die Bilder von Balthus? Wissen aber schon, dass der vermutlich pädophil war und nur malte, um seine perversen Triebe auszuleben!?

Sie interessieren sich für Bilder des Dilettanten? Diesem notorischen Licht-unter-den-Scheffel-Steller, in dessen Keller sich die Leichen wahrscheinlich haushoch stapeln?

Sie haben sich immer gerne einen unterhaltsamen Film von Dieter Wedel angeschaut? Dabei hätten Sie doch schon damals ahnen können, was für ein ———

Ich breche an dieser Stelle ab, denn Sie merken, geneigter Leser, hoffentlich geneigte Leserin, worauf es hinausläuft. Ich spiele an auf die gegenwärtige Sexismus-Debatte, in deren Gefolge immer häufiger die Frage gestellt wird, ob man Kunst von Künstlern, die sich eines Vergehens schuldig gemacht haben, noch rezipieren dürfe. Dabei ist die Sache – für mich – ganz einfach. Die überfällige, notwendige Sexismus-Debatte rührt an die Grundfeste unserer Gesellschaft, indem sie Machtstrukturen und ihre Auswirkungen aufdeckt, insbesondere soweit sie sich auf das Verhältnis der Geschlechter auswirken. Dass dabei das ganze Gebäude, um im Bild zu bleiben, wackelt, manches zu Bruch geht, und sich die Statik neu zurecht ruckeln muss, liegt auf der Hand. Viel Hysterie, auf beiden Seiten, ist im Spiel. (Dass eine Hochschule ein Gedicht, das sie vor zehn Jahren an die Häuserwand hat malen lassen, jetzt übermalen lässt, kann man gut finden oder nicht. Diese Maßnahme als „Zensur“, oder gar die Zerstörung eines Kunstwerkes zu verstehen, halte ich für völlig überzogen. S. z. B. hier.) Für mich ist entscheidend, dass Männer, die gerne junge Frauen im Bademantel unter vier Augen zu einem dienstlichen Termin empfangen, sich nun zweimal überlegen müssen, ob sie das damit verbundene Risiko noch eingehen möchten. Nur mal so als Beispiel. Dass als Preis für diesen Verlust männlicher Dominanzmuster angeblich die Freiheit der Kunst zur Disposition stünde, ist ebenfalls absurd. (siehe z. B. hier ) In einem historischen Kontext betrachtet, war die Freiheit in der Kunst, und die Freiheit des Künstlers noch nie so groß wie heute. Zurück also zu der Frage, ob manche Kunst nun gewissermaßen kontaminiert sei. Punkt eins: alle Kunst, sofern sie nicht gegen geltendes Recht verstößt, muss zugänglich sein. Punkt zwei: ob und wie die Rezeption eines Kunstwerks belastet wird durch die Kenntnis der Biografie des Künstlers, kann nur jeder Rezipient für sich entscheiden. In Israel wurden beispielsweise Opern Wagners lange Zeit nicht aufgeführt (ich weiß nicht, wie da der aktuelle Stand ist). Das wäre den Opfern der Shoa und deren Nachkommen wahrscheinlich auch nicht zuzumuten gewesen. Ich persönlich höre Madrigale Gesualdos und kann vielleicht gewisse Chromatizismen darin auf ein spannungsreiches Leben beziehen, fühle aber keinerlei „moralische“ Verpflichtung, etwa mit Rücksicht auf das damalige Mordopfer, mir den Musikgenuss zu versagen. Das gilt entsprechend für Beethoven und andere Beispiele. Allerdings gibt es auch für mich eine Grenze, die ich niemals überschreiten würde. Mal angenommen, irgendein Provinzmuseum würde von Hitler gemalte Bilder in einer Kunstausstellung wie selbstverständlich neben Bildern anderer Maler präsentieren, so als könne man „einfach so“ mal den Maler Hitler zeigen, so wäre das für mich inakzeptabel. Es gibt folglich Tabus, als ganz große Ausnahme. Ansonsten gilt für mich: Kunst ist Kunst, und Schnaps ist Schnaps.

 

 

P. S. In der Süddeutschen Artikel erschien letzte Woche ein lesenswertes Interview zum Thema mit Heike Makkatsch. Ebenfalls empfehlen möchte ich in diesem Zusammenhang den Blog der Dame von Welt, insbesondere diesen Artikel.

 

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§ 36 Antworten auf Kunst macht was sie will

    • derdilettant sagt:

      Meine Formulierung ist missverständlich, zugegebenermaßen. Freilich schien mir klar zu sein, dass es Männer sind, die berufliche Termine im Bademantel bestreiten, von anderen Fällen ist mir noch nichts zu Ohren gekommen. Ob eine Frau „Zivilcourage“ zeigt, wenn sie dem Bademantelspiel trotzt, oder diese zeigen sollte, um in der – noch immer – Männerwelt (gemeint sind hier die Karrieremöglichkeiten in den einschlägigen Branchen) bestehen zu können, halte ich für den falschen Ansatz. Ließen Sie sich doch einmal, umgmünzt auf Ihre „Branche“, die Entgegnung gefallen, als Künstler müsse halt Zivilcourage zeigen, wer in seiner Kunst von den gesellschaftlichen Zwängen nicht „eingeengt“ – von mir aus eben – sein wolle.

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      • ANH sagt:

        Diese Entgegnung würde ich nicht (mehr) hören, da ich Bademantel-Angebote seit jeher abgelehnt – und dadurch durchaus für mich wichtige Auftraggeber verloren habe. Ja, ich habe einige solche Angebote bekommen, teils habe ich sie sogar öffentlich gemacht, was dann „naturgemäß“ auch wieder Folgen hatte. Einige muß ich bis heute (er)tragen. Um so mehr hat eine solche Zivilcourage Selbstverständlichkeit zu sein oder es allerdringendst zu werden. Wir k ö n n e n „Nein!“ sagen, wir alle; das schließt Frauen völlig mit ein; sähe ich das anders, hielte ich sie nicht für emanzipiert. Daß sie es sind oder längst doch sein müßten, ist für mich seit spätestens den Siebzigern selbstverständlich. Allerdings hat das mit dem erotischen Spiel nichts zu tun, das ich weiterhin auch aus politischen Gründen nicht zerstört sehen möchte, denn dieses anheimzugeben oder gar, was derzeit geschieht, zu tabuisieren, dienert sich dem Willen der, mit Marx gesprochen, Äquivalenzform an. Jegliche Differenz wird nivelliert.

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  • Allerdings gibt es auch für mich eine Grenze, die ich niemals überschreiten würde. Mal angenommen, irgendein Provinzmuseum würde von Hitler gemalte Bilder in einer Kunstausstellung wie selbstverständlich neben Bildern anderer Maler präsentieren, so als könne man „einfach so“ mal den Maler Hitler zeigen, so wäre das für mich inakzeptabel. Es gibt folglich Tabus, als ganz große Ausnahme.

    Hitler-Bilder werden regelmäßig auf Auktionen gehandelt und erzielen – gemessen an ihrer mäßigen künstlerischen Qualität – hohe Erlöse.
    Was wäre der Menschheit erspart geblieben, wäre Hitler an der Wiener Akademie aufgenommen und ein mittelprächtiger Postkarten- und Gebrauchsmaler geworden? Ich würde es im Gegenteil begrüßen, wenn Hitlerbilder in Museen gezeigt würden, weil nur so Hitlers spießige Durchschnittlichkeit und Kleingeistigkeit bewußter würde.

    In Museen kleben in aller Regel Zettel an der Wand, die nicht nur den Titel des Bildes und den Namen des Malers beinhalten, sondern meist auch weiterführende Information. Was spricht denn dagegen, Künstler wie Balthus in ihren pädokriminellen Kontext zu rücken? Erst dann können Rezipienten entscheiden, was sie mit der Information anfangen und wie sie Balthus‘ Gemälde und Fotografien sehen. Erst dann wird auch deutlich, daß sich Zeiten und Rezeptionen seit Balthus verändert haben.

    Kunst steht nicht nur für sich, sie ist nicht heilig. Sondern Rezipienten können (und sollen, me thinks) bei und durch Kunstbetrachtung eine Menge über sich selbst lernen. Wenn das nicht gelingt, war mindestens eins von beiden schlecht, Kunst oder Rezipient.
    Wenn menschenverachtende Ressentiments oder Kriminalität des Künstlers das Werk „gewissermaßen kontaminieren„, ist der Kunstbegriff des Rezipienten im tiefsten Biedermeier steckengeblieben – dann muß Kunst immer noch erbauen.

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    • derdilettant sagt:

      Zum Thema Hitlerbilder: absolut einverstanden! Ich bin keineswegs der Meinung, man solle Hitlers Bilder nicht zeigen; wohl aber der Meinung, dass man sie nicht aus dem Kontext seiner Verbrechen lösen kann. Dass die Bilder bei Auktionen Preise erzielen, die in keinem Verhältnis zu ihrer künstlerischen Qualität stehen, wundert mich nicht. Ich persönlich finde den Gedanken abstoßend, sich ein von Hitler gemaltes Bild ins Wohnzimmer zu hängen.

      „Was spricht denn dagegen, Künstler wie Balthus in ihren pädokriminellen Kontext zu rücken?“ Überhaupt nichts. Museen geben schon lange Hinweise zum „Verständnis“ der gehängten Werke. Freilich müssen sich Kuratoren da weg von der üblichen Lobhudelei hin zu einer differenzierteren, eben auch kritischen Betrachtung bewegen.

      Kunst „ist nicht heilig“. Sie sagen es, da rennen Sie bei mir offene Scheunentore ein! Auf eine mitunter perverse Art hebt nämlich das bürgerliche Kunstverständnis den Künstler und sein Werk in eine Sphäre, die ihn jeglicher Moral entbindet. Künstler fühlen sich da regelmäßig geschmeichelt, weswegen sie ihren sonst so scharfen kritischen Intellekt gerne mal an der Garderobe des Großbürgertums abgeben.

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      • Das bürgerliche Kunstverständnis“ erfand das Genie als schwachen Trost für Künstler (manche halten sich tatsächlich dafür), an Stelle des wegfallenden Mäzenatentums von Adel und Klerus. Entgegen landläufiger Meinung trägt Armut nicht zu guter Kunst bei.

        Kunst und Kunstmarkt sind fein zu unterscheiden, das gilt auch und insbesondere für lobhudelnde Kuratoren. So mancher künstlerische Intellekt hängt wegen Geld an der großbürgerlichen Garderobe, nicht wegen einer Entbindung von jeglicher Moral.

        Vorhin ganz vergessen: vielen Dank für die freundliche Verlinkung!

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      • derdilettant sagt:

        Schwacher Trost – ja! Freilich manchmal nicht gar so schwach, denn wohlhabende Bürger steckten ihr Geld durchaus auch in Kunst, und entlohnten die Künstler auch schon mal zu deren Lebzeiten. Der ideelle Aspekt am „Genietum“ diente dem Bürger freilich nicht nur als Anlagesparmodell, sondern musste auch die Legitimation des (aufstrebenden) Standes absichern. Wollte der Bürger doch den Adel als herrschende Schicht ablösen, ohne dessen Legitimation „von Gottes Gnaden“ mitübernehmen zu können. Der Absicherung der spirituellen Weihen diente dann die Kunst.

        „Kunst und Kunstmarkt sind fein zu unterscheiden“: wohl wahr, und ein Anspruch, der sich leider nicht immer aufrecht halten lässt. Da gälte es nämlich mal aufzuzeigen, dass ein wie auch immer gearteter Kunstmarkt (oder eine Auftragssituation, wenn wir weiter Richtung Mäzenatentum zurückgehen) durchaus Niederschlag im Kunstwerk selber findet, die Künstler also durchaus nicht stets so unbestechlich agieren, wie das den Anschein haben soll.

        Und: gerne verlinkt!

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      • ANH sagt:

        @Dame von Welt
        „„Das bürgerliche Kunstverständnis“ erfand das Genie als schwachen Trost für Künstler“: Das stimmt so nicht. Vielmehr war das „Genie“ ein Kampfbegriff der sich aus ihrem bisherigen Lakaientum lösenden, emanzipierenden Künstler selbst. Der Begriff war ein Ausdruck von Emanzipation, den das Bürgertum dann freilich vermarktet hat. Ich würde den Begriff gerade in einer Zeit nicht anheimgeben, die den Künstler wieder zum Lakaien, der Quote nämlich, macht. Ganz davon abgesehen, daß wir solch ein (Bildungs., ecco!)Bürgertum gar nicht mehr haben, sondern letztlich nur noch Warenverwalter und Warendistributeure.

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      • Da gälte es nämlich mal aufzuzeigen, dass ein wie auch immer gearteter Kunstmarkt (oder eine Auftragssituation, wenn wir weiter Richtung Mäzenatentum zurückgehen) durchaus Niederschlag im Kunstwerk selber findet, die Künstler also durchaus nicht stets so unbestechlich agieren, wie das den Anschein haben soll.

        Hmnuja, auch Künstler haben so seltsame Hobbies wie Essen und Mietezahlen. Jede/r ist bestechlich. Ich wäre schon froh, wenn Künstler weniger als Exoten betrachtet würden – auch, wenn sie oft komische Arbeitszeiten haben und komische Dinge tun. Die allerwenigsten Künstler sind Genies, die meisten sind sehr fleißig. Wenn man mal ausgeprägte Selbstoptimierer bestaunen möchte: Künstler. <-Das vor allem findet Niederschlag im Werk.

        Mit Kunstmarkt meine ich die Spekulation, daß ein Kunstwerk irgendwann mehr Geld einbringt als zum Kaufzeitpunkt investiert wurde. Nicht nur lobhudelnde Kuratoren, auch das Feuilleton macht den Wert von Kunst zunehmend am erzielten Preis fest und das hat mit Rezeption nichts mehr zu tun.

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      • derdilettant sagt:

        Mit meiner Äußerung hatte ich jemand wie Jeff Koons (um mal in der Gegenwart zu bleiben) im Auge. Sie denken, völlig zu Recht, an die große Mehrheit der schlecht bis überhaupt nicht verdienenden KünstlerInnen. Die Bereitschaft, für Kunst Geld auszugeben, scheint in diesen turbokapitalistischen Zeiten wenig ausgeprägt zu sein. Ob das früher anders war, vermag ich nicht zu beurteilen, kann mir aber schon vorstellen, dass eine weit verbreitete „Geiz-ist-geil“-Mentalität die Bereitschaft, einen für Qualität erforderlichen Preis zu zahlen verringert. In der DDR gab es ein tiefgreifendes System der Förderung von Kunst und Künstlern. Auf solche Tugenden könnte sich unser Staat ruhig auch einmal besinnen.

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  • Bersarin sagt:

    „Diese Maßnahme als „Zensur“, oder gar die Zerstörung eines Kunstwerkes zu verstehen, halte ich für völlig überzogen.“
    Wo genau spreche ich in meinem Text „It’s Hermeneutik, Baby!“ von Zensur? Wären Sie so freundlich, diese Behauptung in concreto mit einem Zitat aus meinem Text nachzuweisen? Weiterhin: Weshalb es sich um die Zerstörung eines Kunstwerks handelt, habe ich in meinem Blogtext aufgeführt und begründet. Vielleicht können Sie einen Grund angeben, weshalb das keine Zerstörung eines Kunstwerkes ist. Ich finde es in Debatten immer ganz nett, wenn man seine Haltung begründen kann.

    Das Gedicht „Avenidas“ ist meines Wissens seit 2011 als Kunstwerk dort an der Wand der besagten Hochschule. Also nicht zehn Jahre.

    Weil es in dieser Gesellschaft Sexismus gibt, was weder ich noch andere Verteidiger des Gedichts bestreiten, heißt das nicht, daß dieser Sexismusvorwurf in einer Art Hermeneutik des Verdachts auf jeglichen Bereich übertragen werden kann. Es ist gerade in solch heiklen Fragen wichtig genau zu differenzieren und exakt zu benennen, worum es jeweils und im jeweiligen Fall geht. Das bedeutet dann auch nicht umstandslos unterschiedliche Bereiche zusammenzuschließen. Insofern wäre es besser gewesen, wenn Sie sich auf konkrete Fälle kaprizierten und anhand dieser formulierten, wo es Probleme gibt.

    „Für mich ist entscheidend, dass Männer, die gerne junge Frauen im Bademantel unter vier Augen zu einem dienstlichen Termin empfangen, sich nun zweimal überlegen müssen, ob sie das damit verbundene Risiko noch eingehen möchten.“
    Was hat das genau mit dem Gedicht von Gomringer zu tun hat? Das verstehe ich nicht ganz. Sie assoziieren unterschiedliche Bereiche und koppeln Sexismus zusammen mit Fragen der Kunstinterpretation. Das eine hat jedoch mit dem anderen zunächst einmal nichts zu schaffen, da es sich um zwei unterschiedliche Szenarien handelt. Selbst da, wo Kunstwerke möglicherweise sexistische Sichtweisen produzieren (oder reproduzieren) agieren und wirken sie in einem ganz anderen Modus als Handlungen und Äußerungen von Menschen: Das reicht von Wedel bis hin zu journalistischen Texten.

    „Dass als Preis für diesen Verlust männlicher Dominanzmuster angeblich die Freiheit der Kunst zur Disposition stünde, ist ebenfalls absurd.“ Männliche Dominanzmuster zu kritisieren, heißt nicht im gleichen Atemzug auch Kunstwerke in pawlowschem Reflex auf Sexismus abklopfen zu müssen, wie das unter anderem die Studenten der ASH machen. Wieweit Kunstfreiheit im öffentlichen Raum durch solche Aktionen wie bei der ASH auf dem Prüfstand steht, ist durchaus eine berechtigte Frage. Insbesondere wird es dann problematisch, wenn nicht mehr Gründe angegeben werden können, weshalb ein Gedicht sexistisch sei, sondern sich auf eine vage Stimmung berufen wird, wie es die Studenten der ASH tate. Wenn nach solchen Kriterien über Kunst und über Objekte im öffentlichen Raum abgestimmt wird, so steht zu befürchten, daß demnächst sogenannte besorgte Bürger dafür stimmten, jüdische Gedenktafeln abzunehmen: weil da habe man so ein komisches Bauchgefühl bei. Insofern ist der Einwand, daß hier Freiheiten der Kunst zur Disposition stehen, berechtigt.

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    • derdilettant sagt:

      Das Wort „Zensur“ fällt in diesem Zusammenhang an vielen Orten. Der Hinweis auf Ihren Blogartikel war ein Beispiel für die Wertung des Vorgangs als Zerstörung eines Kunstwerks.

      „Vielleicht können Sie einen Grund angeben, weshalb das keine Zerstörung eines Kunstwerkes ist“: Das Kunstwerk, das nach meinem Verständnis hier verhandelt wird, ist das Gedicht von Gomringer, das für jedermann/frau erreichbar gedruckt vorliegt, vielleicht auch andern Orts an eine Wand geschrieben wurde, oder auf anderem Wege gewürdigt wurde und wird. Dass die Salomon-Hochschule es an ihre (!) Hauswand schrieb, geschah meines Wissens nicht in öffentlichem Auftrag, sondern aus freien Stücken. Ich könnte auch als Privatperson ein mir genehmes Gedicht an die Wand meines Hauses malen und es nach eigenem Gutdünken jederzeit wieder enfernen. Das in der Formulierung „Zerstörung eines Kunstwerks“ mitschwingende Pathos halte ich für gänzlich unangemessen (eine solche Formulierung lässt eher an entsprechende Taten der Taliban oder ihr nahestehender Kreise in Afghanistan oder andern Orts denken), das Gedicht bleibt davon gänzlich unberührt. Vielleicht kann ich Ihrer Argumentation ein Stück weit folgen, insofern darin die Sorge zum Ausdruck kommt, es handele sich bei diesem Vorgang um Vorboten weitaus schlimmerer zu befürchtender Taten. Ich selber hege diese Befürchtungen allerdings nicht.

      „Was hat das genau mit dem Gedicht von Gomringer zu tun hat?“ Gar nichts. Die Vorgänge um das Gomringer-Gedicht an der Hochschulwand fanden als e i n Beispiel für Aufgeregtheiten rund um die Sexismus-Debatte Eingang in meinen Artikel. Eventuelle Missverständnisse bitte ich zu entschuldigen.

      „Dass als Preis für diesen Verlust männlicher Dominanzmuster angeblich die Freiheit der Kunst zur Disposition stünde, ist ebenfalls absurd.“ Dieser Satz aus meinem Artikel bezieht sich auf eine von mir an der Debatte wahrgenommene Tendenz, die erhöhte Aufmerksamkeit auf männliches Fehl-(=Dominanz-)verhalten, wie sie die #metoo-Bewegung (wenn ich das jetzt verkürzend mal so nenne darf) einfordert, unter Hinweis auf Neo-Prüderie und Kunstfeindlichkeit in Frage zu stellen. Der Vorwurf lautet dann, verkürzt dargestellt: die MeToo-Bewegung kritisiert bestimmte Bilder oder deren öffentliche Hängung, z. B. ein Bild von Balthus, und wenn wir dieser Kritik erst einmal nachgeben, dann trauen sich unsere Künstler morgen schon nicht mehr, bestimmte Themen in ihren Bildern zu verhandeln, oder überhaupt nackte Haut zu malen etc.

      Kunstwerke in „pawlowschem Reflex“ auf Sexismus abzuklopfen, überlasse ich gerne den Studierenden. Jede Generation sucht sich neu ihre Themen, und das soll sie tun. (Auch wir älteren dürfen uns gelegentlich mal fragen, wie reflexhaft eigentlich unser eigenes Denken ist, und wie sehr es durch die Zeit geprägt – ich sage jetzt nicht: konditioniert – wurde, in der wir an den Start gingen) Ich jedenfalls würde ihnen da nicht hereinreden (im Sinne von: ihnen das Recht abstreiten, dies zu tun). Keineswegs muss ich deswegen zugleich deren Meinung teilen.

      Ein letztes: Was in den Köpfen „besorgter Bürger“ vorgeht, kann einem tatsächlich Angst machen. Ein demokratisch zustandegekommener Beschluss zur Übermalung eines Gedichts an der Wand des „eigenen“ Hauses, macht mir hingegen überhaupt keine Angst.

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    • LO sagt:

      @ Bersarin: Geht es hier um konstruktiven Austausch oder um Recht haben und Belehrung? Ich präferiere auf einem Kunst-/Literaturblog Ersteres.

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    • Bersarin sagt:

      @ Lo: Es geht um Begründungen und Argumentation. Wenn jemand eine Behauptung aufstellt, muß er sie belegen. Wenn einer die Vorstellungen der AfD kritisiert, ist er dann in Ihren Augen auch ein Rechthaber? Sehen Sie jetzt, wo das Problem liegt? Ein konstruktiver Austausch besteht nicht darin, sich gegenseitig recht zu geben oder Honig um den Bart zu schmieren. Und da ich in diesem Text explizit genannt und auch kritisiert werde (also gerade kein Austausch, wie Sie hier annehmen), äußere ich mich dann auch zu den im Text genannten Thesen.

      @ Der Dilettant: Es ging in diesem Satz nicht bloß darum, daß der Begriff „Zensur“ an vielen Orten fällt, sondern ob er bei mir im Blogtext fällt. Denn Sie schreiben: „Diese Maßnahme als „Zensur“, oder gar die Zerstörung eines Kunstwerkes zu verstehen, halte ich für völlig überzogen. S. z. B. hier.)“ Das bezieht sich unmittelbar auf meine Blogtext, worin ich mich zur Zensurdebatte freilich gar nicht äußere.

      „Das Kunstwerk, das nach meinem Verständnis hier verhandelt wird, ist das Gedicht von Gomringer, das für jedermann/frau erreichbar gedruckt vorliegt, …“ Nein, hier wird nicht das Gedicht im Buch verhandelt, sondern das Gedicht an der Hauswand. Und das ist in dieser Konstellation etwas anderes als ein (reproduzierbares) Gedicht in einem Buch. So wie auch ein Bild von Hans Gappmayr nicht einfach dadurch „wiedergegeben“ werden kann, indem man es in einem Buch ablichtet oder seinen Text wiedergibt. Bei dem Gomringer-Gedicht handelt es sich um eine Kombination aus Ort, Text und Material, zudem haben der Wandcharakter und die Größe des Gedichts eine besondere Bedeutung, die das Gedicht in einem Buch nicht hat. Diese Umstände erlauben es, von einem singulären und genuinen Kunstwerk zu sprechen. Um diese Frage aber im Detail zu klären, muß man sich verständigen, was in diesem Fall unter einem Kunstwerk zu verstehen ist. Nimmt man nur die Wörter als solche, also das Gedicht selbst, so ist es natürlich noch vorhanden. Nur: Wenn man das so annimmt, dann sind Bücherverbrennungen im 20./21. Jhd. im strengen Sinne auch keine Vernichtung von Kunstwerken, denn der Roman oder der Gedichtband sind ja noch woanders verfügbar. Es wird also nur ein bestimmtes Buchexemplar vernichtet, nicht aber der Text als solcher. (Achtung: ich analogisiere hier nicht Bücherverbrennungen mit den Handlungen der ASH, sondern zeige nur auf, welche Probleme man sich einhandeln kann, wenn man bestimmte Prozesse unter einer bestimmten Optik betrachtet.)

      „Dass die Salomon-Hochschule es an ihre (!) Hauswand schrieb, geschah meines Wissens nicht in öffentlichem Auftrag, sondern aus freien Stücken. Ich könnte auch als Privatperson ein mir genehmes Gedicht an die Wand meines Hauses malen und es nach eigenem Gutdünken jederzeit wieder enfernen.“

      Nein. Hier handelt es sich um eine Institution, die mit öffentlichen Geldern, mit Steuern also, finanziert wird, weiterhin handelt es sich hierbei um eine Kooperation mit dem Haus der Poesie. Insofern trifft der Vergleich mit der Privatperson die Sache nicht. Und wer sollte an dieser Hochschule auch diese Privatperson sein? Wie ich in meinem Text schrieb, wäre es besser gewesen, solche Dinge vorher sehr genau zu regeln. Handelt es sich bei diesem Gedicht um ein Kunstwerk im öffentlichen Raum oder steht es temporär dort?

      „Das in der Formulierung „Zerstörung eines Kunstwerks“ mitschwingende Pathos halte ich für gänzlich unangemessen (eine solche Formulierung lässt eher an entsprechende Taten der Taliban oder ihr nahestehender Kreise in Afghanistan oder andern Orts denken), das Gedicht bleibt davon gänzlich unberührt.“

      Es geht hier nicht um Pathos – das ist bereits eine Wertung –, sondern um eine Beschreibung dessen, was da getan wird. Wenn ich von Ihnen ein Gemälde übermale, dann würden Sie das sicherlich nicht als eine Form von Kunstkritik werten, sondern vermutlich als Zerstörung eines Kunstwerkes. Ebenso die Übermalung dieser Wand.

      „Kunstwerke in „pawlowschem Reflex“ auf Sexismus abzuklopfen, überlasse ich gerne den Studierenden. Jede Generation sucht sich neu ihre Themen, und das soll sie tun.“

      Das kann man so sehen. Allerdings sollte man jene Studenten, die irgendwie noch erreichbar sind, davon überzeugen, daß solche Aktionen nicht nur um der Sache der Kunst willen, von Übel sind.

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      • derdilettant sagt:

        @bersarin

        Lieber Bersarin, Sie beanspruchen gerne die Deutungshoheit darüber, worum es in einer Debatte „eigentlich geht“. Das fiel bereits an dieser Stelle https://dschungel-anderswelt.de/20161015/zu-dylan-faellt-mir-nichts-mehr-ein-im-arbeitsjournal-des-sonnabends-d-1022591674/ auf. Nun erklären Sie mir meinen eigenen Text. Sollte in diesem der Eindruck entstanden sein, ein von mir verlinkter Text enthalte das Wort „Zensur“, so tut mir das leid, und ich stelle hier richtig: in dem von mir verlinkten Text kommt das Wort „Zensur“ nicht vor. In der Sache freilich tue in Ihnen vielleicht nicht über Gebühr Gewalt an, wenn ich Ihre Argumentation in die Nähe derer rücke, die in Zusammhang mit der Zerstörung der Gomringer-Wand das Wort Zensur im Munde führen.

        Dann: wenn Sie die Wand mit dem aufgemalten Gomringer-Gedicht für ein singuläres, genuines Kunstwerk halten, sind Ihre Ansprüche an die Kunst, mit Verlaub, bescheiden.

        „Es geht hier nicht um Pathos“ – s. meine Bemerkung weiter oben.

        „Allerdings sollte man jene Studenten, die irgendwie noch erreichbar sind…“ Eine, nunja, ziemlich unbescheidene Formulierung, finden Sie nicht? (Und vielleicht ein beruhigender Gedanke, dass es Studierende gibt, die einen eigenen Kopf haben)

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      • Bersarin sagt:

        Könnten Sie kurz nachweisen oder darlegen, wo ich in diesem Threat die Deutungshoheit beanspruche? Würde mich interessieren. Wie gesagt: ich finde es immer ganz schön, wenn jemand für eine Behauptung, die er oder sie aufstellt, auch eine Begründung hinzufügt. Ansonsten: Ich höre mir an, was einer schreibt oder sagt, dann schaue ich, ob das Geschriebene stichhaltig ist. Entweder stimme ich zu oder ich verneine. Letzteres tue ich in der Regel, indem ich Gründe angebe, weshalb ich widerspreche. Dieses Verfahren nennt man Debatte. Sie können das, was ich sage, gerne anders sehen. Nur müssen Sie dann dafür eben auch wieder Gründe anführen. Sie sehen also, daß es nicht um eine Deutungshoheit als Zwang gegen andere geht, sondern um einen Austausch von Überlegungen plus Gründen für diese Überlegungen. Deutungshoheit wäre es, wenn ich per ordre festsetze, was Sie und andere zu denken haben.

        „In der Sache freilich tue in Ihnen vielleicht nicht über Gebühr Gewalt an, wenn ich Ihre Argumentation in die Nähe derer rücke, die in Zusammhang mit der Zerstörung der Gomringer-Wand das Wort Zensur im Munde führen.

        Doch, genau das tun Sie. Sie machen nämlich ihre eigenen Vorstellungen, was Sie von meinem Text annehmen, zur Maßgabe und nicht das, was im Text steht. DAS ist in der Tat ein Fall von Deutungshoheit. Weil Sie nämlich Ihre Annahme apodiktisch bzw. dogmatsich setzen, ohne sie begründen zu können. Wenn Sie also in meinem Text Passagen sehen, die dem Zensurgedanken nahekommen, so müssen Sie das belegen und das macht man am besten im Zitatmodus. Persönliches Meinen ist in diesem Fall unergiebig. Es sagt höchstens etwas über ihre Gedanken, aber nichts über meinen Text aus. Weshalb das so ist und weshalb ich auf diese Dinge so insistiere? Bilden Sie mal ein Gegenmodell, nehmen Sie an Gauland und Höcke behaupten von sich, daß sie tolerante und weltoffene Menschen seien, zumindest nehmen beide dies von sich an. Würden Sie den beiden das unbesehen und ohne das Nennen von Gründen so durchgehen lassen? Wohl nicht. Sie würden Nachweise erbringen, weshalb beide keine weltoffenen und toleranten Menschen sind und Sie würden dies vermutlich mit Belegen machen. Und auf diese Belege wiederum können dann Gauland und Höcke reagieren. Auch das nennt man Debatte.

        Und vielleicht haben Sie nun, lieber Dilettant, auch bemerkt, weshalb dieser Satz eine paradoxe Struktur besitzt: „Lieber Bersarin, Sie beanspruchen gerne die Deutungshoheit darüber, worum es in einer Debatte „eigentlich geht“.“ Das, was Sie hier mir vorwerfen, praktizieren Sie nämlich selbst. Begründung: Sie setzen etwas dogmatisch als Faktum, ohne dafür irgendwie in die Begründungen zu gehen. Genau das aber ist Deutungshoheit beanspruchen. Und in diesem Sinne verfahren übrigens auch die Studenten der ASH. Sie beanspruchen über ein Gedicht Deutungshoheit und lassen nicht einmal im Ansatz andere Lesarten zu, geschweige, daß sie für ihre „Lektüre“ irgendwelche Gründe angeben können, außer ihr Bauchgefühl. (Übrigens: Demokratisch abstimmen kann man auch über die Entfernung von Gedenktafeln, weil sie „komische Bauchgefühle“ verursachen. Ich bezweifele, daß sie in diesem Falle auch derart über den demokratisch zustande gekommenen Beschluß sich begeistert zeigen würden. Soviel nur zu Abstimmungsprozessen über Objekte im öffentlichen Raum.)

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      • derdilettant sagt:

        „Könnten Sie kurz nachweisen oder darlegen, wo ich in diesem Threat die Deutungshoheit beanspruche?“
        Gerne:
        „Deutungshoheit als Zwang gegen andere“ (Ihre Worte) ist für mich, wenn man in einer Debatte dem Kontrahenten erklärt, worum es in der Debatte „eigentlich geht“. Und das wiederholt. (S. meine obigen Beispiele) Wenn Sie in Zusammenhang mit dem Thema die Kategorie „Pathos“ für irrelevant erachten, dann können Sie das gerne so halten. Für mein Thema ist sie durch aus zentral, denn es geht mir gerade nicht darum, zu zeigen, ob Studierende ein Gedicht richtig oder falsch interpretieren, ob sie einer solchen Aufgabe intellektuell gewachsen wären, ob sie sich der damit vielleicht einhergehenden gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewußt sind oder was auch immer Sie vielleicht auf Ihrer Agenda haben – mich interessiert in diesem Zusammenhang die Frage, ob wir die Vorgänge mit der gebotenen Verhältnismäßigkeit werten. Und da komme ich offensichtlich zu einem ganz anderen Schluss – nämlich einer anderen Bewertung der Angelegenheit als Sie. Wie gesagt: die Formulierung „Zerstörung eines Kunstwerks“ impliziert einen Akt der Barbarei. Sie deuten diese Angelegenheit als Vorbote weit schlimmerer Taten: heute das Gomringer-Gedicht, morgen öffentliche Gedenktafeln, übermorgen der Terror eines von Ressentiments getriebenen Mobs (korrigieren Sie mich, sollte ich da falsch liegen). Für mich offenbart sich hier eine – sehen Sie’s mir nach – gewisse intellektuell konditionierte Hysterie, ein reflexhaftes Denken, das seine Energie letztlich aus der Trauer über den Untergang einer Welt schöpft, von der man als aufstrebender junger Mensch geprägt wurde und die, im Rückblick auf die eigene Jugend, als goldene Zeit verklärt wird. Aber bitte: alles subjektive Gedanken, die ich weder „beweisen“ noch sonstwie „wissenschaftlich“ untermauern kann. Ich denke einfach, Sie wähnen sich in einem Kulturkampf (Formulierungen wie: „jene Studenten, die irgendwie noch erreichbar sind…“ legen dies nahe). Aber machen Sie sich doch einmal klar, dass jede Generation in eine Welt hineingeboren wird, die von den Erwachsenen (in diesem Fall: von uns) gemacht wurde und wird. Wenn mit der Generation der jetzt Studierenden etwas nicht stimmen sollte, dann doch wohl, weil mit der „Erwachsenenwelt“ etwas nicht stimmt. Jede neu antretende Generation muss ihre Antworten finden, und sie wird niemals einfach das repetieren, womit eine Elterngeneration in i h r e r Jugend aufbrach. Das heißt natürlich nicht, eine jeweils neue Generation habe einfach immer „Recht“. Es bedeutet einfach nur, dass wir gut beraten sind, einmal aufzunehmen, was an Antworten oder Themen von dort kommt, anstatt reflexhaft ein im Studium gelernte Wissen zu reproduzieren. Beste Grüße!

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      • Bersarin sagt:

        Wie geschrieben: Sie haben Ihr Paradox anscheinend immer noch nicht erkannt. Deutungshoheit zu postulieren, ohne dafür korrekte Gründe angeben zu können, heißt genau die Deutungshoheit zu beanspruchen, die sie vorgeblich kritisieren. Die von Ihnen genannten Gründe sind leider keine, sondern eher, wie dann auch Ihr das letzte Drittel Ihres Textes zeigt, leider subjektive Impressionen. Ich werde Ihnen dies im Detail zeigen.

        Ich erkläre Ihnen in der Debatte zum einen nicht, worum es „eigentlich geht“, das würde nämlich bedeuten, daß ich irgend einen verborgen Sinn hinter der Debatte oder etwas Verstecktes ausmachte, was die Studenten bisher nicht gesehen haben oder daß ich den Studenten irgendeine Ideologie nachweisen würde – die nehme ich zwar durchaus an, aber ich enthalte mich hier der Äußerungen, daß ich diese Leute für naiv oder für neoevangelikal oder einfach nur für kleinbürgerliche Puritaner halte, das alles spielt im Kontext der Argumente keine Rolle –, sondern ich zeige, weshalb bestimmte Ansichten – zumal solche ohne Begründung, die auf privativen Empfindungen beruhen – nicht funktionieren. Mit anderen Worten: ich fordere Argumente für die Ansicht der Studenten ein. Das, was Sie in den Begriffen beschreiben, etwas zu sagen, worum es „eigentlich geht“: das betreiben vielmehr die Studenten. Denn diese fixieren sich auf eine Bedeutung, die hinter dem Gedicht liegt, also das, worum es in dem Gedicht „eigentlich geht“: nämlich Sexismus bzw. Frauenfeindlichkeit. Wer eine Behauptung aufstellt, wie es die Studenten tun, muß das an der Sache selbst nachweisen, sofern diese These Geltung beanspruchen möchte. Das geschah bisher nicht.

        Zum anderen: Wir reden hier nicht von etwas, um das es „eigentlich geht“, sondern wir sprechen über das Entfernen eines Gedichts, genauer gesagt über die Zerstörung eines Kunstwerkes im öffentlichen Raum, und zwar auf Beschluß des AStA sowie der Abstimmung durch Hochschulgremien. Daran knüpfen sich verschiedene Fragen, unter anderem auch juristische. Ob nämlich die besagten Gremien befugt sind darüber zu entscheiden. Weiterhin knüpfen sich darin Fragen nach den Gründen, weshalb das Gedicht entfernt werden sollte.

        „Wenn Sie in Zusammenhang mit dem Thema die Kategorie „Pathos“ für irrelevant erachten, dann können Sie das gerne so halten.“

        Es ist für die Beurteilung dieses Zusammenhangs nicht entscheidend, was ich erachte oder was sie erachten, sondern es ist die Frage, ob ein Sachverhalt mit Begriffen richtig beschrieben wird. Pathos ist ein emotional aufgeladenes Wort. Sie mögen das, was ich beschreibe, als pathetisch empfinden, wenn man von der Zerstörung eines Kunstwerkes oder von der Verbrennung von Büchern spricht, das ist natürlich Ihre Privatsache, denn Empfindungen kann man zunächst niemandem absprechen: sie sind da, wie bei den Studenten der ASH, wie bei den AfDlern, die sich mit Gedenktafeln unwohl fühlen, wie bei Leuten, die nicht gerne neben Ausländern oder neben Schwaben wohnen wollen. Die Frage ist hier aber nicht, was Sie bei einem Satz, der als Argument dient empfinden, sondern, ob der Satz einen Sachverhalt korrekt beschreibt. Wenn ein Kunstwerk aus dem öffentlichen Raum entfernt wird, und zwar kontrovers debattiert, weil eine bestimmte Gruppe sich an dem Werk stört, und wenn das Werk dann auch entfernt werden wird (nach bisheriger Lage), so läßt sich von einer Zerstörung des Werkes sprechen. (Weshalb es sich um ein Kunstwerk handelt, habe ich hinreichend dargelegt.) Das alles ist in der Formulierung relativ neutral gefaßt. Ich habe bewußt auf andere Vokabeln wie Vernichtung, Hinrichtung etc. verzichtet. Allerdings ist die Zerstörung von Kunst in einer doch aufgeklärten Zeit tatsächlich ein Akt der Barbarei, da gebe ich Ihnen recht, denn solche Kunstzerstörung widerspricht dem Humanum und dem Denken einer aufgeklärten Gesellschaft, die Mißliebiges in Kunst aushalten kann. Kunst bedeutet (häufig) Kontroverse – keine neue Erkenntnis eigentlich. Und wer solche Kontroverse nicht gut aushält, muß sich fragen lassen, weshalb das so ist. Gerne aber kann man über das Gomringer-Gedicht sich mit Gründen streiten. Streit aber rechtfertigt noch kein Entfernen.
        Sie deuten diese Angelegenheit als Vorbote weit schlimmerer Taten: heute das Gomringer-Gedicht, morgen öffentliche Gedenktafeln, …

        Ich deute dieses Zerstören eines Kunstwerkes nicht als Vorbote schlimmere Taten, hier setzen sie einerseits bereits eine Hierarchisierung und andererseits eine private Wertung, sondern ich zeige lediglich auf, was unter bestimmten Begründungsmodi ebenfalls gemacht werden kann, wenn man sich auf sein bloßes Empfinden und aufs Bauchgefühl beruft. Nicht mehr, nicht weniger. Wer also meint, daß persönliches Empfinden den Ausschlag dafür geben soll, ob Denkmäler, Gemälde, Gedichte an Hauswänden und überhaupt Kunstwerke im öffentlichen Raum bleiben sollen, muß sich halt solchen Fragen stellen. All das hat nichts mit Hysterie zu tun, sondern schlicht mit Fragen der Logik. Welchen Grund wollten Sie sonst anführen, wenn AfDler Gedenktafeln entfernen? Ihnen ihre Empfindungen absprechen? Oder fordern Sie diese Menschen nicht vielmehr auf, einen Grund anzubringen, weshalb die Tafel entfernt werden soll? Ich vermute letzteres. Und wenn der genannte Grund nicht rational ist, werden Sie dies vermutlich auch kundtun und diesen Ansinnen sogar verbieten wollen. Hysterie übrigens wäre es erst, wenn ich schriebe: Wehret den Anfängen! Oder wenn ich in ein Gedicht oder eine Sache etwas hineinlese, was nicht explizit darin vorkommt.

        „Für mich offenbart sich hier eine – sehen Sie’s mir nach – gewisse intellektuell konditionierte Hysterie, ein reflexhaftes Denken, das seine Energie letztlich aus der Trauer über den Untergang einer Welt schöpft, von der man als aufstrebender junger Mensch geprägt wurde und die, im Rückblick auf die eigene Jugend, als goldene Zeit verklärt wird.“

        Hier handelt es sich um Ihre eignen Projektionen, so daß ich also eher annehmen muß, daß sie einen Strohmann aufbauen, indem sie mir etwas unterstellen, was ich nicht geschrieben habe. Aber Sie ergänzen sodann, um das, was Sie schreiben, im nächsten Atemzug zu entschärfen:

        „Aber bitte: alles subjektive Gedanken, die ich weder „beweisen“ noch sonstwie „wissenschaftlich“ untermauern kann.“

        Mit anderen Worten: Sie mutmaßen, insinuieren, projizieren, was auch immer. Im übrigen wähne ich gar nichts, weder eine Kulturkampf, noch sonst etwas, sondern ich fordere für Aussagen Begründungen ein.

        „Jede neu antretende Generation muss ihre Antworten finden, und sie wird niemals einfach das repetieren, womit eine Elterngeneration in i h r e r Jugend aufbrach.“

        Das ist in dieser Sache überhaupt nicht die Frage und zudem ist es ein Allgemeinplatz. Davon ab, daß es keinen Kollektivsingular DIE Jugend (bzw. Generation) gibt, was bereits, wie Sie unschwer ersehen können, die unterschiedlichen Jugendkulturen zeigen, die von konservativ über puritanisch bis hin zu links oder unpolitisch oder gleichgültig reicht. Es handelt sich hier um eine kleine Gruppe, die ihre Interessen durchzusetzen versucht.

        „Das heißt natürlich nicht, eine jeweils neue Generation habe einfach immer „Recht“. Es bedeutet einfach nur, dass wir gut beraten sind, einmal aufzunehmen, was an Antworten oder Themen von dort kommt, anstatt reflexhaft ein im Studium gelernte Wissen zu reproduzieren.“

        Genau das sage ich ja: Nicht jeder, der etwas behauptet, hat immer recht, nur weil er es behauptet. Um genau diesen Punkt des bloßen Behauptens geht es bei den Annahmen der Studenten. Und es geht zudem darum, daß aus Bauchgefühlen sich argumentativ keine normativen Regeln, geschweige Aktionen ableiten lassen. Und all das hat nichts mit dem Studium oder mit reproduziertem Wissen oder mangelndem Respekt vor einer Generation zu tun, sondern mit Fragen des Begründens. Und das ist dann schon die Aufgabe von Erwachsenen oder Lehrern, jungen Menschen das Argumentieren klarzumachen, trotz allem Protestgestus, egal welcher politischen Farbe der Protest nun sei.

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      • derdilettant sagt:

        Vielen Dank für diese ausführlichen Erläuterungen, Sie geben sich wirklich Mühe, ich weiß das zu schätzen (keine Ironie!) Leider gehen Sie nicht auf den Kern meines Kommentars ein: „…mich interessiert in diesem Zusammenhang die Frage, ob wir die Vorgänge mit der gebotenen Verhältnismäßigkeit werten“. Ich darf an meine These aus dem Blogartikel erinnern, der ja Aufhänger der ganzen Diskussion war: „Viel Hysterie, auf beiden Seiten, ist im Spiel“. Darauf folgte der Link zu Ihrem Blogartikel als einem Beispiel für das, was ich, zugegebenermaßen polemisch, als „Hysterie“ bezeichne. Kernformulierung bei Ihnen: „Zerstörung eines Kunstwerks“.

        Dies noch: „Ich erkläre Ihnen in der Debatte zum einen nicht, worum es „eigentlich geht““ – Nein? Wie verstehen Sie denn die Formulierung: „Es geht hier nicht um Pathos…“ (Zitat aus Ihrem Kommentar)? Ich verstehe das so, dass Sie mir, als jemandem, der angeblich nicht weiß worum es geht, erklären, worum es geht (nämlich nicht um Pathos). Eine Formulierung wie “ es geht hier um /nicht um…“ kann ja schon mal ein legitimes Mittel in einer Diskussion sein, bei Ihnen aber häuft sich das (wie gesagt, mein Hinweis auf die Debatte damals bei ANH). Ich will mich aber gar nicht wieder holen, denn zwischenzeitlich hat die Dame von Welt all das, was ich niemals in so treffende Worte hätte kleiden können, zum Ausdruck gebracht, zudem mit bestens recherchierte Fakten unterlegt (Danke dafür!). Da Sie in Ihrer Antwort darauf Ihre Argumente im wesentlichen wiederholen, möchte ich mich für meinen Teil – bevor es auf eine Endlosschleife hinausläuft – an dieser Stelle aus der Diskussion verabschieden. Natürlich sind alle herzlich eingeladen, weiter zu diskutieren. Die Tür ist immer offen!

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      • Bersarin sagt:

        Zur Richtigstellung: mein erster Kommentar bezog sich zunächst auf die in Ihrem Artikel unmittelbar genannten Aspekte, die ich korrigierte, da sie zum einen falsch waren (Zensur), und zum anderen antwortete ich Ihnen auf Ihre Einschätzung in beug auf den Terminus „Zerstörung“. Daraus entwickelten sich weitere Fragen und Aspekte. So geht das meist in Diskussionen. Richtig ist, daß diese Aspekte von Ihrem ursprünglichen Beitrag einerseits wegführten, ich ihn andererseits jedoch um einige Hinweise und Bezugspunkte ergänzte. Unter anderem auf den Hinweis, daß bisher noch keiner zeigen konnte, was konkret an Gomringers Gedicht sexistisch wäre. Mit anderen Worten: Die Studenten machten ihre eigene Maßgabe normativ zum Maßstab für eine Kunstwerkzerstörung oder wenn Sie es so wollen: für eine Kunstwerkbeseitigung. Denn darüber dürfen wir alle uns wohl einig sein, daß ein Kunstwerk aus einem öffentlichen Raum entfernt wird und zwar unter einer nicht belegbaren Begründung.

        „‘Es geht hier nicht um Pathos…‘ (Zitat aus Ihrem Kommentar)? Ich verstehe das so, dass Sie mir, als jemandem, der angeblich nicht weiß worum es geht, erklären, worum es geht (nämlich nicht um Pathos). Eine Formulierung wie “ es geht hier um /nicht um…“ kann ja schon mal ein legitimes Mittel in einer Diskussion sein, …

        Im Hinblick auf solche Aussagen müssen Sie differenzieren, in welchem Kontext sie geäußert wird. Wenn ich sage „Es geht hier nicht um Physik, sondern um Chemie!“, dann beanspruche ich keine Deutungshoheit, sondern ich spezifiziere einen Diskurs bzw. korrigiere eine Ansicht. In diesem Falle verneine ich einen Sachverhalt und ich gab Gründe an, weshalb das so ist. Das Pathos ist Ihre ureigene Interpretation. Aus der Sache ergibt es sich nicht notwendig. Ich will Ihnen eine subjektive Meinung gar nicht absprechen, sondern ich weise lediglich darauf hin, daß diese Sichtweise ihre private ist und nicht die Sache trifft und daß Sie daraus gerade keine Deutungshoheit ableiten können. Deutungshoheit ist es, ohne Angabe von (intersubjektiv teilbaren) Gründen, Deutungshoheit einem anderen zu unterstellen. Deutungshoheit wäre es, wenn ich Sie zwänge, meine Annahmen anzunehmen und per ordre behaupte: Das ist aber so! (In etwa, wie die Studenten es mit dem Gedicht tun: eine subjektive Sichtweise als verbindlich zusetzen und darauf normativ dann etwas abzuleiten, nämlich die Zerstörung eines Kunstwerkes). Solches „Das ist so“ schrieb ich aber nicht. Ich gebe lediglich Gründe dafür, weshalb es geboten ist, diese Sicht zu teilen. Ihnen bleibt es unbenommen, sie nicht zu teilen. So wie es mir unbenommen bleibt, ihre Sicht begründet zu kritisieren. Diskussion bedeutet: Das Nehmen und das Geben von Gründen. Der Begriff „Pathos“ ist für diesen Kontext ansonsten auch kaum passend. Schon vom Etymologischen her nicht. Allenfalls kann man sagen, daß der Begriff „Zerstörung“ eine subjektive Wertung enthält. Ich vermute, daß sie eher dies zum Ausdruck bringen wollten. Und das würde ich in der Tat nicht bestreiten.

        DamevonWelt brachte keine bestens recherchierten Fakten, sondern sie formte aus bestimmten Aspekten ihre Interpretation, der zu widersprechen ist. Sie mißdeutete zudem auf Melusine Barbys Blog eine Textauslassung und behauptete damit Falsche. Zudem stellte sie Barbara Köhlers Einlassungen in einem Licht dar, das nicht ganz den Tatsachen entsprach. Uneigennützig zumindest kann man einen Zeitungsartikel nicht nennen, wenn man sich für das Tilgen eines Kunstwerkes ausspricht und knapp fünf Wochen später dann sein eigenes Gedicht ins Spiel bringt, das an der Stelle des zu tilgenden Gedichts steht. Aber das mag eine Frage der zeitlichen Gewichtung sein. Ich zumindest werde bei passender Gelegenheit natürlich an diesen seltsamen Umstand erinnern.

        Wiederholungen ergeben sich da, wo auf Argumente und Ausführungen nicht eingegangen wird.

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    • Bersarin sagt:

      „Ein demokratisch zustandegekommener Beschluss zur Übermalung eines Gedichts an der Wand des „eigenen“ Hauses, macht mir hingegen überhaupt keine Angst.“

      Das freilich vertauscht ein wenig Ursache und Wirkung. Es ging nicht darum, mal ein neues Gedicht an die Wand zu bringen und es ging primär, wenn man die ersten Stellungnahmen des AStA liest, auch nicht darum, eine ästhetische Debatte zu beginnen, sondern gegen Gomringer und sein Gedicht wurden Sexismusvorwürfe erhoben. Und zwar in einer unmöglichen Art und Weise, in dem nicht etwa der Text selbst zum Maßstab genommen, sondern indem nach einer Hermeneutik des Verdachts agiert und in den Text externe Bedeutungen hineingepreßt wurden. Außer ihrer eigenen Befindlichkeit konnten jene Studenten in keinem Satz zeigen, was an diesem Gedicht sexistisch wäre. (Ich habe das alles bei mir im Blog im Detail dargestellt, die Begründungen können dort nachgelesen werden.) Eigne Vorstellungen wurden in ein Gedicht projiziert und man muß sich bei solchen Vorgängen dann schon fragen, ob nicht vielmehr bei jenen Studenten ein sehr seltsames Frauenbild vorherrschend ist, vor dem man sich fürchten muß. Mehr zumindest als vor diesem Gedicht.

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      • … sondern gegen Gomringer und sein Gedicht wurden Sexismusvorwürfe erhoben. Und zwar in einer unmöglichen Art und Weise, in dem nicht etwa der Text selbst zum Maßstab genommen, sondern indem nach einer Hermeneutik des Verdachts agiert und in den Text externe Bedeutungen hineingepreßt wurden. Außer ihrer eigenen Befindlichkeit konnten jene Studenten in keinem Satz zeigen, was an diesem Gedicht sexistisch wäre.

        Hm, es ist schon eine maßlose Frechheit, wenn Rezipienten ihre eigenen Befindlichkeiten zu einem Werk äußern und es „als offizielles Aushängeschild“ ihrer Hochschule kritisieren. Diese Frechheit wird nur noch davon übertroffen, daß nach einem demokratischen Verfahren ein Text von 1953 einem zeitgenössischen Text weichen soll und eine öffentlich angebrachte Tafel an Gomringers Text und an die Debatte darüber erinnern wird.
        Gegen Gomringer wird im offenen Brief des AStA kein Sexismusvorwurf erhoben. Falls Sie doch einen entdecken können, zitieren Sie bitte den entsprechenden Textteil.

        Sie schreiben weiter oben:

        Es ging in diesem Satz nicht bloß darum, daß der Begriff „Zensur“ an vielen Orten fällt, sondern ob er bei mir im Blogtext fällt. Denn Sie schreiben: „Diese Maßnahme als „Zensur“, oder gar die Zerstörung eines Kunstwerkes zu verstehen, halte ich für völlig überzogen. S. z. B. hier.)“ Das bezieht sich unmittelbar auf meine Blogtext, worin ich mich zur Zensurdebatte freilich gar nicht äußere.

        Aus Ihrem „Nachklapp, heute zum letzten“ vom 11. September:
        Ob es sich bei dem, was der Asta betreibt, um Zensur handelt, darüber kann man sich streiten, es ist eine semantische Frage, Melusine Barby schreibt:

        „Zensur ist das (noch) nicht. (Weil das Gedicht ja damit nicht verboten ist) Aber es ist dumm.“

        Da hat sie recht. Andererseits ist der Akt dieses Astas hart an der Grenze. Und für diese Haltung wähle ich den Begriff „Zensur“, auch wenn hier keine staatlichen Akteure auftreten, die einen Text im ganzen verbieten.

        Am Rande: Melusine Barby nimmt „nicht etwa der Text selbst zum Maßstab„, sondern unterschlägt in ihrem Gomringer-Zitat ein entscheidendes y. Das und am Ende von Gomringers Straßen-, Frauen-, Blumen-Reihung macht klar: der Bewunderer ist seinerseits Objekt, er wird selbst betrachtet und beschrieben. So, wie sie Gomringer (fehl-)zitiert, würde ‚un admirador‘ wie eine Unterschrift wirken und die studentische Rezeption hätte einen Punkt mehr.

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      • Bersarin sagt:

        „Dennoch kommen wir nicht umhin, ausgerechnet dieses Gedicht als offizielles Aushängeschild unserer Hochschule zu kritisieren: Ein Mann, der auf die Straßen schaut und Blumen und Frauen bewundert. Dieses Gedicht reproduziert nicht nur eine klassische patriarchale Kunsttradition, in der Frauen* ausschließlich die schönen Musen sind, die männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren, es erinnert zudem unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen* alltäglich ausgesetzt sind.“ (Offener Brief des AStA)

        Damit wird gegen das Gedicht und implizit auch gegen den Autor Gomringer der Sexismusvorwurf erhoben. Im Modus der Assoziation zudem. Wenn man übrigens diesen Modus, woran einen eine Sache erinnern könnte, zum Geltungsmaßstab erhöbe, wäre das wohl eine heikle Angelegenheit, weil damit der Willkür Tür und Tor geöffnet wäre. Ich spare mir mal zu sagen, woran mich dieses Statement vom AStA erinnert. (Vor allem erinnert es mich daran, an Hochschulen unbedingt Studiengebühren und vor allem Aufnahmeprüfungen einzuführen.) Im Grunde aber sagt der AStA es ja selbst: Daß er seine eigene Befindlichkeit zum Maßtstab setzt und nicht das Gedicht. Und damit desavouiert die gendersensiblen Jünglinge und Mädels vom AStA ihr eigenes Argument.

        „…, daß nach einem demokratischen Verfahren ein Text von 1953 einem zeitgenössischen Text weichen soll und eine öffentlich angebrachte Tafel an Gomringers Text und an die Debatte darüber erinnern wird.“

        Hier verwechseln Sie leider Ursache und Wirkung. Das Verfahren ist nicht demokratisch, sondern es standen zunächst jene Vorwürfe des AStA im Raum, die das Gedicht als angeblich sexistisch labelten bzw. daß es in einer „patriarchalen Kunsttradition“ stünde. Das Ergebnis dieses „demokratischen Verfahrens“ stand also schon lange vorher fest: es ging darum, einen Modus zu finden, um das Gedicht zu entfernen. Wer übrigens im Kontext von Kunst und Werken im öffentlichen Raum solche „demokratischen Verfahren“ wie hier bei der ASH bejubelt, sollte dann aber bitte bei anderen demokratischen Verfahren, wenn demnächst von der AfD dominierte Landtage oder Gremien auf Bezirksebene übers Abhängen von Gedenktafeln abstimmen.

        Was die Zensur betrifft, so ging es um meinen Text „It’s Hermeneutik, Baby“, vom 30.1. Darin gebrauche ich den Begriff der Zensur nicht und darin ist das entsprechende Thema auch nicht auf dem Tisch. Insofern kann in diesem Text auch nicht implizit jener Vorwurf der Zensur darin stecken. Also bitte, Dame von Welt, schön die Texte und die Differenzierungen auseinander halten und die Texte richtig in den Bezug setzen.

        Ad Melusine Barby: M.B unterschlägt nicht das y, sondern sie macht es, wie Sie gut und gerne lesen können, einen Absatz weiter genau zum Thema. DESHALB fehlt es in dem Gedicht. It’s Hermeneutik, Baby. Was ansonsten, was den Admirador betrifft, so ist er durch eine Enjambement getrennt. Wäre er auf der gleichen Ebene und adversativ durch ein „und“ verbunden, wäre ein Zeilenbruch überflüssig gewesen. Bei Gomringer aber wurde bewußt ein Absatz gewählt. (Mit diesem „y“ spielt M.B. qua Auslassung.) In diesem Sinne ist es in der Tat aufschlußreich, wie Sie das auch machen, die Beobachtersituation in den Blick zu nehmen. Und in diesem Sinne haben wir in einer Beobachtung zweiter Ordnung ein Ensemble, eine Szenerie, zu der auch der Admirador, der Bewunderer gehört.

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      • Bersarin sagt:

        „Hm, es ist schon eine maßlose Frechheit, wenn Rezipienten ihre eigenen Befindlichkeiten zu einem Werk äußern und es „als offizielles Aushängeschild“ ihrer Hochschule kritisieren.“ In der Tat, das ist es, da sind wir uns mal einig. Zumal jene „Rezipienten“ für ihr Befinden keine Gründe anführen. Im übrigen sollten man sich auch einmal anschauen, wie hoch die Wahlbeteiligung zum AStA war, um zu schauen, wieweit das repräsentativ ist. Weiterhin: Was das Aushängeschild einer Hochschule sei, ist doch wohl sehr umstritten. Dies sollte eigentlich die Qualität der Lehre und der Forschung sein und nicht die Äußerlichkeiten eines Baus. Ob zudem Studenten und das Stupa tatsächlich befugt sind, darüber zu entscheiden, wie sich eine Hochschule äußerlich präsentiert, dürfe am Ende wohl eine juristische Frage bzw. eine solche von Verwaltungsrecht und Bauvorschriften sein. Zumal es bei einem Kunstwerk im öffentlichen Raum auch um Fragen des Urheberrechts und um das Einverständnis des Künstlers geht, ob der der Entfernung zustimmt. Tut er das nicht, entscheiden womöglich Gerichte über das Gedicht. Keineswegs aber die Rezipienten eines Gedichts.

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      • @Bersarin
        Wir sind uns immerhin darüber einig, daß die Verfasser des offenen Briefes das Gomringer-Gedicht ausgesprochen schräg interpretieren: weil sie den admirador ohne das bereits thematisierte y lesen und ihn damit zum Subjekt unter Objekten – Straße, Blumen, Frauen – machen. Das gibt das Gedicht aber nun mal nicht her und an dieser Stelle könnte man die Bildungsmisere beklagen und vielleicht auch ein paar Zweifel an der Qualität des ASH-Angebotes ‚Kreatives Schreiben‘ anmelden.

        Einen Sexismus-Vorwurf gegen den Autor kann ich allerdings nicht erkennen, jedenfalls keinen implizierten Sexismusvorwurf, der über Befremdung an einer in den 1950er Jahren allgemein üblichen Frauenbetrachtung hinausginge. Wohl aber gewinne ich den Eindruck, daß Sie den Studierenden absprechen wollen, gemachte Erfahrungen mit sexualisierter Belästigung zu thematisieren, die Einfluß auf ihre Wahrnehmungen, damit auch auf ihre Meinungen zum Text als ASH-Quasi-Leitspruch genommen haben werden.

        WIE aufwändig die Entscheidungsfindung zur Neugestaltung der Wand vonstatten ging, können Sie bei Bedarf noch selbst nachlesen.
        Es ist dabei weder AStA noch Hochschulleitung anzulasten, daß die Möglichkeit zur Beteiligung mit Gestaltungsvorschlägen und an der Abstimmung darüber nicht von allen Hochschulangehörigen genutzt wurde. Nicht mal die Repräsentativität einer Bundesregierung wird angezweifelt, weil die größte Quasi-Partei die der Nichtwähler ist. Sich an Demokratie nicht zu beteiligen, ist Teil der in Demokratien üblichen Freiheit.

        Meines Wissens ging der Anbringung des Gomringer-Textes an einer prominenten Wand der ASH kein ordentliches Verfahren zu Kunst am Bau oder Kunst im öffentlichen Raum voran, sondern ihm wurde 2011 ein hochschulinterner (und in jedem Jahr ausgelobter) Preis verliehen, aus dem sich die Idee der Wandgestaltung ergab. Weswegen mir nicht einleuchtet, warum der Entfernung des Gomringer-Textes – zugunsten eines Textes der aktuellen Preisträgerin, Barbara Köhler – einem Verfahren genügen müßte, das dem zu einer Entfernung von Kunst am Bau/im öffentlichen Raum entspräche.

        Mir ist auch nicht nachvollziehbar, warum Barbara Köhler die Prominenz der ASH-Wand vorenthalten bleiben sollte, die Eugen Gomringer seit 2011 genießt. Beispielhaft ein, ich finde, großartiger Text von ihr (aus ‚Deutsches Roulette‘, erschienen bei Suhrkamp 1991):

        GEDICHT

        ich nenne mich du weil der Abstand
        so vergeht zwischen uns wie Haut
        an Haut wir sind nicht
        zu unterscheiden zu trennen eins
        und das Andere die Grenze ist
        die Verletzung der Übergang
        eine offene Wunde du nennst mich
        ich wer von uns beiden sagt
        hier hast du ein Messer
        mach meinen Schnitt.

        Abschließend: mich freut es, daß sich anhand der ASH nun doch noch mal mit konkreter Poesie beschäftigt und über Lyrik (und generell über Kunst) erregt debattiert wird. Denn Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit ist den meisten Künstlern wichtig, ab einem bestimmten Maß von Professionalität arbeitet kaum jemand nur für sich. Viele Künstler betrachten ihre Arbeiten ausdrücklich als Angebot und Mittel zur Kommunikation und die beschränkt sich nun mal nicht nur auf Lobhudelei.
        Daß es einige Meinungsinhaber für einen relevanten Beitrag zur Diskussion halten, sich über „Zensur“ zu erregen, die Verderblichkeit des „Genderismus“ zu beklagen (vor dem man die Kinder schützen muß) und den Studierenden zur Inanspruchnahme von Psychotherapie zu raten, geschenkt.
        Davon abgesehen wurden zahllose Gomringer-Soli-Buchkäufe in den Social Media angekündigt, was (wenn auch nur ein Bruchteil davon stattfindet) mit dazu beiträgt, daß sein Werk auch weiterhin verlegt wird – bei Lyrik alles andere als selbstverständlich.
        Fazit: ein Gewinn, für (fast) alle.

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      • Bersarin sagt:

        „daß Sie den Studierenden absprechen wollen, gemachte Erfahrungen mit sexualisierter Belästigung zu thematisieren, …“

        Wo spreche ich dies den Studenten ab? Was ich den Studenten abspreche, ist: Diese Erfahrungen an dem Gedicht festzumachen. Ansonsten ganz im Gegenteil: Daß es diese Erfahrungen gibt, daß es sexuelle Belästigungen gibt, schrieb ich in meinem ersten Kommentar ausdrücklich. Und genau um dieser Vorkommnisse willen, sollte man sich die richtigen Themen aussuchen und über Dinge sprechen, wo genau das geschieht. Auch um der Ernsthaftigkeit der Sache willen. Denn sexuelle Belästigung durch Männer ist eben kein hermeneutisches Kinderspiel von Jugendlichen, die sich durch ein Gedicht verängstigt fühlen. Ob solche Leute an einer Hochschule für Pädagogik wirklich richtig aufgehoben sind und ob es nicht vielmehr die Aufgabe der Lehrkräfte ist, hier Problembewußtsein zu schärfen ist eine nochmal andere Frage.

        Was den Sinn oder den Unsinn von Gendertheorie betrifft – das ist nochmal eine andere Frage. Aber wie es mit Theorie so ist: Weder Marx, noch Nietzsche, noch Heidegger, noch Foucault können etwas für ihre Jünger und für die, die das lesen, was da nicht steht.

        „Nicht mal die Repräsentativität einer Bundesregierung wird angezweifelt, weil die größte Quasi-Partei die der Nichtwähler ist. Sich an Demokratie nicht zu beteiligen, ist Teil der in Demokratien üblichen Freiheit.“

        Das ist einerseits richtig. Andererseits muß man dann eben auch solche Leute wie Trump hinnehmen. Die rechtmäßig gewählt wurden. Dennoch werfen solche Zahlen von Nichtbeteiligung ein ganz gutes Licht auf die gesellschaftliche Situation und auch auf die Gleichgültigkeit vieler. Die Wahlbeteiligung in den USA ist extrem niedrig. In diesem Sinne muß man dann vielleicht sagen: die haben es dann halt nicht besser verdient.

        „Weswegen mir nicht einleuchtet, warum der Entfernung des Gomringer-Textes – zugunsten eines Textes der aktuellen Preisträgerin, Barbara Köhler – einem Verfahren genügen müßte, das dem zu einer Entfernung von Kunst am Bau/im öffentlichen Raum entspräche.“

        Daß es keine ordentlichen Regelungen gab, monierte ich ja bereits. Genau deshalb ist es wichtig, vorher solche Sachen zu regeln, sprich: zu verrechtlichen. (Und wer sagt auch, daß Gedenktafeln ewig bleiben müssen. Vielleicht gedenken wir in einigen Jahren eben anderere Menschen.) Aber da es hier also um rechtliche Dinge geht, reagiere ich dann auf diese Fragen auch mit juristischen Erwägungen. Ggf. mit Fragen des Urheberrechts. Was Barbara Köhler betrifft, so ist das freilich eine lustige Sache. Zunächst ein Gedicht kritisieren und dann sich selbst für ein neues Gedicht ins Gespräch bringen: ihrem Ruf als Künstlerin hat sie damit keinen Gefallen getan. Auch wenn ihr Roulette-Band gelungen ist, wie ich finde. (Den Nachweis müßte ich ggf. in meinem Blog erbringen.) Aber ok, man kann ja auch Auftragskunst am Bau machen. Vielleicht läßt sich dagegen ja eine ästhetische Intervention starten. Früher war die Jugend rebellisch. Zumindest zu meiner Zeit. Eine solche ästhetische Intervention wäre dann ein weiteres interessantes Zeichen in dieser Debatte. Aber jammert mir dann nicht, wenn das plötzlich von den Identitären kommt. Wenn Teile der Linken den Platz des Protests und des Wilden geräumt haben, besetzen ihn halt andere.

        Um sich mit konkreter Poesie zu beschäftigen, wären freilich andere Anlässe geeigneter gewesen als das gewaltsame Zerstören eines Kunstwerkes. Aber es ist schon richtig: Keine Kunst ist ewig, kein Denkmal, kein Gedenkstein, kein Mahnmal. Und wenn durchs Entfernen die Debatten kommen, so mag das gut sein.

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      • @Bersarin
        Aber da es hier also um rechtliche Dinge geht, reagiere ich dann auf diese Fragen auch mit juristischen Erwägungen. Ggf. mit Fragen des Urheberrechts.

        Mit dem Urheberrecht hat Anbringung/Entfernung des Gomringer-Textes nichts zu tun. Das Urheberrecht liegt immer bei Eugen Gomringer.

        Falls man auf diese Fragen auch mit juristischen Erwägungen reagieren will, geht es um das Nutzungsrecht, das Gomringer der ASH eingeräumt hat. Laut SPON wollte sich Gomringer für den Poetik-Preis 2011 bedanken und stimmte deswegen der Nutzung seines Textes an der Fassade zu, gegen Gebühr.

        Mit anderen Worten: ASH und Gomringer haben einen ordentlichen Vertrag geschlossen.

        Ob dieser Vertrag nun eine Klausel enthält, das Gedicht für alle Ewigkeit an der Fassade zu belassen, bezweifele ich sehr.
        Ob sich die Hochschulleitung klug und angemessen verhielt, den Nutzungsvertrag mit Gomringer nicht einvernehmlich und im persönlichen Gespräch zu lösen, bezweifele ich nicht minder.

        Daraus ergibt sich aber weder Grund noch Anlaß, über AStA und Studierende herzufallen.

        Was Barbara Köhler betrifft, so ist das freilich eine lustige Sache. Zunächst ein Gedicht kritisieren und dann sich selbst für ein neues Gedicht ins Gespräch bringen: ihrem Ruf als Künstlerin hat sie damit keinen Gefallen getan.

        Barbara Köhler wurde der Poetik-Preis 2017 verliehen – falls ich die ASH-Seite richtig deute, im Wintersemester 16/17. Eine ganze Weile später – die Diskussion lief bereits seit April 2016 – im September 2017 veröffentlichte die FAZ ihren Beitrag zur Debatte. Den ich – abgesehen von ihrem Irrtum über den Text als „Geschenk“ – nicht nur inhaltlich für relevant halte (u.a. was Typo bewirkt), sondern es höchst verwunderlich gefunden hätte, wenn sich die aktuelle Preisträgerin nicht an der Diskussion beteiligte.

        Ihre Unterstellung einer Kritik aus reinem Eigennutz müßten Sie schon sehr gut belegen. Mir stellt sich auch die Frage, ob Sie aus einem gleichlautenden Kommentar eines männlichen Preisträgers auch „eine freilich lustige Sache“ ableiten würden oder ob der als selbstverständlich und angemessen durchginge. Ihr Raunen über Köhlers „Ruf als Künstlerin“ halte ich für hinterfotzig.

        Köhler schreibt:
        Es ist – vor Ort – eben nicht bloß ein Gedicht, kein abstraktes Kunstwerk im Museum, es ist auch keine irgendwie heilige Schrift: es ist ein Text im öffentlichen Raum. Und darauf wurde eigentlich ganz zivilisiert und demokratisch reagiert; niemand hat mit Farbbeuteln geschmissen, niemand hat nachts an die letzten beiden Wörter ein a geklebt oder etwa eine Überschrift wie „Blumen für die Trümmerfrauen“ dazugesprayt (der Text ist von 1951, auch das wär eine mögliche Lesart), niemand hat diesem Text an der Wand etwas angetan. Er wurde respektiert, es wurde diskutiert, über einen langen Zeitraum, Wörter zu Wörtern, und jetzt gibt es eine Ausschreibung der Hochschule, die auch den Erhalt des Textes explizit als Option einschließt; es müsste sich dafür halt nur jemand finden, der oder die überzeugend genug dahintersteht. Ich glaube, das hat mit Demokratie zu tun.

        Sie schreiben:
        Aber ok, man kann ja auch Auftragskunst am Bau machen. Vielleicht läßt sich dagegen ja eine ästhetische Intervention starten. Früher war die Jugend rebellisch. Zumindest zu meiner Zeit. Eine solche ästhetische Intervention wäre dann ein weiteres interessantes Zeichen in dieser Debatte. Aber jammert mir dann nicht, wenn das plötzlich von den Identitären kommt. Wenn Teile der Linken den Platz des Protests und des Wilden geräumt haben, besetzen ihn halt andere.

        Köhlers und Ihr Standpunkt zeigen sehr schön das jeweilige Verhältnis zur „Jugend von heute“.

        Deren sittlich-moralischer Verfall im ganzen Gegensatz zur Jugend der Ex-Jugend wird schon seit Sokrates unausgesetzt beklagt. Das ist weder neu noch ein inhaltlich relevanter Diskussionsbeitrag – nur noch übertroffen davon, „Ihnen“ dann auch nicht über mögliche identitäre Interventionen jammern zu dürfen.

        Wer würde denn eine Klage bei Ihnen in Erwägung ziehen? Ihnen scheint entgangen zu sein, daß Identitäre und andere Nazis alle Protagonisten von Feminismus und „Genderismus“ im Visier haben, seit Jahren. Haben Sie sich darüber auch in vier Blogs empört? Es könnte nämlich glatt der Eindruck entstehen, daß Sie den Identitären den Weg bereiten, indem Sie eine Zerstörung der kommenden Wandgestaltung für eine „ästhetische Intervention“ und für „ein weiteres interessantes Zeichen in dieser Debatte“ hielten.

        Erfreulicherweise gibt es aber eine bestens informierte und vernetzte AntiFa, von der nun wirklich niemand annehmen kann, sie hätte „den Platz des Protests und des Wilden geräumt„.

        Ihre Ausführungen bekräftigen meinen Eindruck der künstlich aufgepusteten Debatte: die Jugend von heute will doch glatt etwas anderes und nutzt dazu andere Mittel als gealterte Jungs, die sich ungebrochen für das Maß aller Dinge halten: Skandal! Gewaltsame Zerstören eines Kunstwerkes! Zensur! Psychotherapie!

        Wenn es nicht so fatal wäre, daß „Teile der Linken“ dringend mal einen Kompass bräuchten, wäre das alles beinahe amüsant.
        (womit ich mich hier verabschiede)

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      • Bersarin sagt:

        Sofern es sich bei dem Wandbild um ein eigenständiges Kunstwerk und nicht bloß um einen Text handelt, sieht die Sache möglicherweise anders aus. Dann geht es nicht mehr um Nutzungsrechte, sondern der Urheber des Kunstwerkes könnte (möglicherweise) seine Zustimmung verweigern, das Wandbild zu entfernen. Das ist eine juristische Frage, wozu vermutlich eher Juristen etwas etwas sagen können. Deshalb handelt es sich bei meinem Ausführungen auch eher um Annahmen oder Möglichkeiten. Deshalb auch mein Plädoyer in solchen Fragen besser vorher sich zu einigen. 2011 zumindest hat das Wandbild kaum einen gestört und auch die Universität hat dem Anbringen dieses Wandbildes zugelassen. Denn sonst wäre es nicht an diesem Ort.

        Ad Köhler: Natürlich kann sie sich, wie jeder andere auch, an einer Diskussion beteiligen, Das hat ihr meines Wissens niemand abgesprochen. Und wenn man sie kritisiert, dann muß man halt ihren Text in der FAZ kritisieren. Das kann man in der Tat an einigen Stellen tun. Etwa wenn Köhler den Grund des Streites weitgehend unter den Tisch fallen läßt und so tut, als handele es sich hier lediglich um eine plötzlich aufkommende ästhetische Debatte über ein Gedicht. Ein Gedicht freilich, daß schon sehr lange (seit 2011! Nochmal geschrieben!) an einer Wand hängt. Dem ist aber nicht so: mitnichten handelt es sich hier um eine bloß ästhetische Debatte. Die fadenscheinige Begründung, weshalb das Gedicht entfernt werden sollten, war die Fühligkeit eines (dubiosen) AStA. Und zwar aus bloßem Verdacht heraus. (Was das über das Reflexionsniveau dieser Leute aussagt, spare ich mir mal auf, das ist noch ein anderes Thema.)

        Köhler hat, nachdem sie Ende September ihren Artikel in der FAZ schrieb, Ihr Gedicht als „Geschenk“ angeboten, und diese Koppelung zeigt, daß Ihr Text in der Sache nicht neutral war, daß Köhler also parteiisch ist und pro domo schrieb. Erst dachten viele, dieses Angebot im November bei einer Diskussionsveranstaltung (meines Wissens) sei als eine Art Scherz gemeint gewesen, eine Form von Ironie. War es aber nicht. Und das hat ihren Ruf als unabhängige Künstlerin ziemlich ruiniert. Schmieriger noch als jene puritanischen Studenten ist nur noch diese Form von dichterischer Kriecherei. Sie wird im Gedächtnis bleiben. Aber das ist meine persönliche Meinung. Daß ich übrigens bei einem Mann viel weniger reagiert hätte, als bei einer Frau, ist wiederum eine Unterstellung, die Sie tätigen und nicht belegen können. Hätte der von mir geschätzte Durs Grünbein ein Gedicht angeboten, hätte ich ebenso reagiert. Wäre allerdings ob der Qualität von Grünbeins Dichtung ziemlich erschüttert, bei Köhler bin ich es nicht so sehr, weil ich sie für eine eher mittelmäßige Dichterin halte.

        Was ansonsten linke Umgangsformen mit Andersdenkenden angeht hat Köhler einerseits recht. Das Gedicht wurde bisher nicht beschädigt, was mich ansonsten bei linken Störaktionen insbesondere an Universitäten in der Tat wundert (Stichwort Baberowski, Stichwort Münkler, Stichwort Störung der Pädagogikvorlesung 2015), und ebenso auch bei Straftaten im öffentlichen Raum (Stichwort Autobrände im Kontext der Rigaer Straße, Stichwort zerstörte Scheiben bei jenem schönen neuen Hotel am Oranienplatz).

        „Und darauf wurde eigentlich ganz zivilisiert und demokratisch reagiert; niemand hat mit Farbbeuteln geschmissen,…

        Oh, das ist sehr beruhigend, ja das stimmt. Daß eine Unterstellung ohne Belege und das Denunziereneines Gedichts als sexistisch jedoch eine zivilisierte Reaktion sei, ist freilich eine schon erstaunlich zu nennende Annahme. Rhetorisch ist dieser Text recht durchschaubar und im Darstellungsmuster einfältig. Nicht nur an dieser Belegstelle.

        “Er wurde respektiert, es wurde diskutiert, über einen langen Zeitraum, Wörter zu Wörtern, und jetzt gibt es eine Ausschreibung der Hochschule, …“

        Das allerdings ist ein ziemlicher Euphemismus, angesichts der Reaktion des AStA, dem es explizit um die Vernichtung des Kunstwerkes, ums Entfernen ging und nicht um eine Diskussion darüber. Diskussionen bedeuten nämlich, daß das Ergebnis offen ist und nicht vor Beginn der Debatte bereits feststeht. Denn sonst braucht man nicht zu diskutieren. Ich vermute übrigens stark, daß Köhlers „Verhältnis zur ‚Jugend von heute‘“ doch anders ausgefallen wäre, wenn sie selbst die Betroffene wäre. Was bei jener Hermeneutik des vorauseilenden Verdachts durchaus und gut möglich sein kann. Denn irgendwann kann es jeden treffen. (Das war schon, obwohl ich beides nicht parallel setzen möchte, bei jenen stalinistischen Treibjagden so: Der ängstliche oder gehorsame Mitläufer war prinzipiell bereits das nächste Opfer.) Vor den Verdächtigungen jener evangelikalen Eiferer ist am Ende niemand und ist kein Text sicher. Auch nicht der von Köhler, da man in der Hermeneutik des Verdachts und in der Dekonstruktion für Billigheimer prinzipiell jeden Tatbestand in einen Text hineinlesen kann.

        „Ihre Ausführungen bekräftigen meinen Eindruck der künstlich aufgepusteten Debatte …“

        Über Sinn oder Unsinn einer Debatte („künstlich aufgeplusterte Debatte“) entscheiden weder Sie noch ich. Debatten sind da, weil sie da sind. Daß anderes womöglich relevanter sei, erfordert zudem ein Relevanzkriterium, daß man angeben muß. Dieses Kriterium sollte nicht der eigene dezisionistische Maßstab sein. Zudem kann man ihr „Argument“ genauso umkehren: wenn die Studenten und die ASH sich von der Argumentation der Gedichtbefürworter überzeugen ließen, wäre die Debatte beendet und plusterte sich nicht weiter auf.

        Was Ihren viertletzten Absatz betrifft: Zum einen handelt es sich hierbei um eine Form des Whataboutism. Hier aber, in dieser Debatte stehen die von Ihnen genannten Dinge nicht zur Disposition. Das käme erst dann infrage, wenn tatsächlich nachweislich Identitäre das neue Gemälde/Gedicht beschädigen. Zudem ist das, was Sie in diesem Absatz machen, ein Vergleich der schiefen Ebene, zum anderen ein logisch ungültiges ex silentio-Argument. Weil ich zur Sache X schweige, heißt das nicht, daß ich der Sache X zustimme. Solche Störmanöver fallen leider auf Sie selbst zurück. Auch geht es bei meiner Kritik an jenen puritanistischen Studenten mit der verklemmten Sexualmoral nicht um Empörung, sondern um eine rationale Kritik an einem – ich sage es mal höflich – seltsamen Verhalten. Wir kommen nämlich – aus den USA hierher überschwappend – immer mehr in die Situation, daß Kunstwerke und Texte nicht mehr auf ihre Argumente, auf ihren Gehalt, auf ihre Struktur gelesen, sondern auf inkriminierende Äußerungen hin, in Pawlow-Manier abgescannt werden, um sie zu denunzieren. (Siehe etwa Münklerwatch oder diverse Ausrichtungen der Critical Whiteness, denen es lange schon nicht mehr um tatsächlich existenten Rassismus geht, sondern um Deutungshoheiten in Diskursen, in dem per se und per ordre du mufti Verbote ausgesprochen werden für Texte.) Aufgabe von Pädagogik wäre es, auf argumentativem und anschaulichem Wege diesen Leuten zu zeigen, daß dies nicht der adäquate Umgang mit Texten, Bildern, Kunstwerken, Literatur, Philosophie etc. ist.

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  • @ANH
    Das stimmt so nicht. Vielmehr war das „Genie“ ein Kampfbegriff der sich aus ihrem bisherigen Lakaientum lösenden, emanzipierenden Künstler selbst. Der Begriff war ein Ausdruck von Emanzipation, den das Bürgertum dann freilich vermarktet hat. Ich würde den Begriff gerade in einer Zeit nicht anheimgeben, die den Künstler wieder zum Lakaien, der Quote nämlich, macht. Ganz davon abgesehen, daß wir solch ein (Bildungs., ecco!)Bürgertum gar nicht mehr haben, sondern letztlich nur noch Warenverwalter und Warendistributeure.

    Mein Satz war zugebenermaßen ein bißchen polemisch und sowieso verkürzt. Ihre Idee von ‚Genie‘ als Emanzipation der Künstler vom bisherigen Lakaientum aber findet ihr Ende in Lombrosos Beklopptenpfanne, in die er außergewöhnliche Künstler haute.

    Das Bürgertum machte Künstler überdies zu meist schlecht bezahlten Lakaien, indem es ihnen das Gebot der Armut à la Der arme Poet (Lieblingsbild der Deutschen) und eine Betrachtung als die „Anderen“, als außerhalb der achtbaren Gesellschaft verordnete. Während Kunst als erlernbares Handwerk zuvor alles andere als ein Sakrileg war, s.a. holländische Meister.

    Meinen Sie mit „Quote“ den Umstand, daß inzwischen auch Künstlerinnen Beachtung finden? Dann holte ich die Tränenvase^^

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  • ANH sagt:

    „Kunst als erlernbares Handwerk“ ist in aller Regel keine, sondern Kunstgewerbe, was ein deutlicher Unterschied ist. Und nicht das Bürgertum machte Künstler zu „schlecht bezahlten Lakaien“, wohl aber waren sie in aller Regel schlecht bis gar nicht bezahlt (van Gogh). Und Ihr Lobroso, nun jà, für den mag Richard Wagner z.B. kriminell oder bekloppt gewesen sein, ihn selbst aber muß man heute nachschlagen, indes Wagner, van Gogh und andere gegenwärtig bleiben, egal, wie wir zu ihnen stehen. Da gilt Gott ist tot! ruft Nietzsche; Nietzsche ist tot! ruft Gott.

    Aber nein, meine Bemerkung bezog sich nicht auf Künstlerinnen, unter denen es fraglos ebenso Genies gab und gibt; >>>> Marianne Fritzgehört – leider „gehörte“ – ganz sicher dazu; Gertrude Stein, Emily Dickinson und andere nicht minder; auch Louise Bourgeois möchte ich gerne nennen. Ich schätze als genial auch die Kompositionen >>>> Galina Ustvolskajas ein, ebenso wie vieles von >>>> Sophia Gubaidulina; ich könnte aufzuzählen noch Stunden weitermachen. Mit ist nicht recht klar, weshalb mir immer wieder unterstellt wird, und sei’s freundlich ironisch wie bei Ihnen, daß ich Künstlerinnen nicht ernst nehmen würde; in der Philosophie halte ich Frauen bisweilen sogar für die interessantesten – auch da: künstlerischen – Erscheinungen;>>>> Camille Paglia verehre ich geradezu, ebenso wie >>>> Donna Harraway.
    Den Genannten gemein ist, daß sie nicht denken, malen, schreiben, komponieren, was grade opportun ist, sondern daß sie sehr bewußte Außenseiterstellen einnehmen – ganz wie es sich, um nun mal meinerseits polemisch zu formulieren, für ein Genie gehört.

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    • Mit Ihrer Antwort
      „Kunst als erlernbares Handwerk“ ist in aller Regel keine, sondern Kunstgewerbe, was ein deutlicher Unterschied ist.
      auf
      Das Bürgertum machte Künstler überdies zu meist schlecht bezahlten Lakaien, indem es ihnen das Gebot der Armut à la Der arme Poet (Lieblingsbild der Deutschen) und eine Betrachtung als die „Anderen“, als außerhalb der achtbaren Gesellschaft verordnete. Während Kunst als erlernbares Handwerk zuvor alles andere als ein Sakrileg war, s.a. holländische Meister.
      erklären Sie Künstler wie die Brueghel-Sippe, van Eyck, Vermeer, Bosch, Rembrandt, Dürer, Hals, Rubens zu „Kunstgewerblern“.

      Ohne dem im Laufe der Zeit veränderlichen Kunstbegriff Rechnung zu tragen (Ihre feinsinnige Unterscheidung zwischen Kunst und -gewerbe ist btw. nur im deutschsprachigen Raum verbreitet) und ohne begriffen zu haben, daß auch heute jeder Künstler m/w ein bestimmtes Maß an Handwerk erlernt, um seinem Anliegen möglichst genau Ausdruck verleihen zu können.

      Keine weiteren Fragen – nicht mal danach, was Sie wohl mit „Quote“ gemeint haben könnten.

      Gefällt 1 Person

      • ANH sagt:

        „erklären Sie Künstler wie (…) zu „Kunstgewerblern“:
        Nein, nur daß von den Genannten meist Gesellen die handwerkliche Ausgestaltung besorgten, quasi nach Art einer Manufaktur.
        Ob Handwerk eine Voraussetzung für Kunst ist, ist in zumindest der Bildenden Kunst mit Beginn der Moderne zur Frage geworden. Ich habe auf sie auch immer nur bedingte Antworten. Sicher ist, daß es sich nicht um Kunst handelt, wenn sie im Handwerklichen aufgeht, es also kein „Drittes“ gibt, das sie transzendiert.
        Ob die Unterscheidung von Kunst und Kunstgewerbe nur im deutschen Sprachraum verbreitet sei, ist kein Argument gegen die tatsächliche Differenz. Ich beharre hier auf dem Unterschied von U und E, dessen Wegfall alleine der Kulturindustrie, mithin dem (kapitalistischen) Markt zugute kam und kommt.

        Ihr zweiten Absatz ist ein unvollständiger Satz, dem also die Aussage fehlt: „Ohne dem und dem Rechnung zu tragen“ braucht eine Ergänzung; soviel zum Handwerk. Vielleicht aber beziehen Sie ihn auf den (aber mit Punkt geendeten) Absatz darüber, ich erklärte Künstler wie die von Ihnen genannten zu Kunstgewerblern. Was ich, siehe oben, allenfalls bedingt tue.

        Das „ohne begriffen zu haben“ ist eine mir unverständliche Aggression, schon weil „ein bestimmtes Maß“ ein höchst unbestimmter Ausdruck ist; „ein bestimmtes Maß“ kann nämlich auch ein sehr geringes sein.
        Im übrigen halte ich es zumindest für befragenswert, ob sich, wenn sich „die“ Kunstvorstellung mit den Zeiten verändert, sich auch verändert, was Kunst ist oder eben nicht ist. Es ist durchaus denkbar, daß eine Zeit es vergißt oder verdrängt oder aus ökonomischen Gründen es vergessen lassen will. Als Beispiel: Kafkas Dichtungen wurden in seiner Zeit nur von einer höchst gezählten Klientel zur Kunst gezählt, von Kleist will ich gar nicht erst reden, und das, was mittelalterliche Malerei auszeichnet (die Hintergründe der Bilder nämlich), u n t e r l i e f den Handwerks- mithin gewerblichen Auftrag sogar. Hier liegt die Kunst in der Subversion.

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  • schneck sagt:

    und Bier ist Bier. (/Und Zensur ist Zensur. Mich erstaunt immer wieder, für wie unterbemittelt Rezipienten aller Art gehalten werden. Dort liegen meine Bedenken bzgl. der jüngst sich häufenden Stürmereien. Ich würde mir nie anmaßen, über Deutungshoheiten zu entscheiden. Wohl aber, Blick und Verstehen in all ihrem Meta zu fördern, und zwar schon mindestens ab der Grundschule.)

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    • derdilettant sagt:

      „Blick und Verstehen … fördern“ – ja! Aufklären, zeigen, darüber reden, auch streiten – genau so. Mal ehrlich, seien wir doch froh, dass Kunst wieder zum Aufreger taugt, dass sich an ihr gerieben wird. Allzu lange kam ja der Vorwurf, man könne als Künstler doch eh machen was man wolle, ohne noch eine irgend geartete Wirkung auszulösen. Auf stürmische, klärende Zeiten! (Und übrigens: wenn die Studierenden der Salomon-Hochschule über die Gewitztheit und Ausgebufftheit früherer Studierendengenerationen verfügt hätten, hätte sie die Übermalung als Kunstaktion zelebriert, als: Happening) Grüße!

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