Nichts von hinten

März 13, 2017 § 6 Kommentare

Die meisten von uns können sich das Nichts nicht vorstellen. Ich auch nicht. Wenn irgendwo alles aufhört, was kommt dann dahinter usw. Ich sage mir zum Beispiel: entweder ich sehe etwas, oder dort, wo ich hinsehe, ist nichts zu sehen, dann ist da alles schwarz. Aber dieses Schwarz sehe ich ja auch. Sitze ich aber auf meinem Lieblingsstuhl in meiner Lieblingsküche und blicke meinen Lieblingsblick durchs Fenster über Dachfirste gen Himmel, und halte den Kopf starr, bewege auch die Pupillen nicht, und schwenke meine Aufmerksamkeit langsam rechtswärts über den Rand des Fensters hinaus, die weiße Wand entlang zum großformatigen Bild das dort hängt, weiter über gespachtelte Bäume, so verebbt diese sichtbare Welt mit eine Mal, der gespachtelte Wald ist noch nicht zu Ende. Und dann, weiter rechts? Nichts. Da isses. Ich kann zwar nach vorne schauen, aber nicht nach hinten. Das Sichtfeld hört dann einfach auf. Das ist uns so selbstverständlich, dass wir diese Ungeheuerlichkeit gar nicht bemerken. Seit mit das bewußt wurde, versuche ich mir vorzustellen, was das ist, da „hinten“. Nicht im Raum hinter mir, natürlich. Da brauche ich mir nur umdrehen. Nein, da wo das Sichtfeld aufhört. Nun kann man ja malen, was man sieht. Aber dieser Effekt lässt sich nicht malen. Jedes Bild ist per se begrenzt. Es hört, so groß es auch sein mag, irgendwo auf. Meist fängt da der Rahmen an, und der signalisiert ja unmissverständlich: hier ist Schluss. Aber: man kann das Bild umdrehen, und mit etwas Glück scheint was durch. Das funktioniert nun wiederum nicht mit dem Gesichtsfeld. Oder der Landschaft, in deren Anblick man sich versenkt. Ich stelle mir manchmal vor, man könnte „von hinten“ auf das Leben blicken. Nicht zeitlich, vom Ende her, sondern räumlich. Es umdrehen wie ein Bild. Dann wäre wohl alles seitenverkehrt. Aber auch auf dem Kopf? Oder sichtbar, was nicht gelebt wurde? Mir schwirrt der Kopf…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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§ 6 Antworten auf Nichts von hinten

  • gkazakou sagt:

    Mir kam, als ich dies las, ein Büchlein in den Sinn, das ich grad gelesen habe: Michel Foucault, La Peinture de Manet. ist eine Studie des bekannten französischen Philosophen Foucauld über Manet und wie der die Leinwand als solche zur Erscheinung bringt, mit ihren physischen Eigenschaften, insbesondere auch, dass sie eine Rückseite hat. Ich fand es sehr lesenswert (ich habs auf griechisch, gibt es wohl auch auf deutsch, falls du kein französisch kannst).

  • Ich habe mir das Nichts immer so vorgestellt: Was die Hand in der Hosentasche sieht. 😉 Und hier noch was über hinten

    Die Blätter sind mal wieder vorzüglich!

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