Klecksografische Miniaturen und zwei Webografien

Mai 6, 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Zufall spricht man wohl, wenn alle denkbaren Varianten eines bevorstehenden Ereignisses mit gleich großer Wahrscheinlichkeit eintreffen können. So gesehen bleibt der reine Zufall wohl ein theoretisches Konstrukt, in der Praxis nie zu erreichen, denn wie wollte man sicher stellen, dass nicht manche Einflussfaktoren stärker wirken als andere? Und selbst angenommen, ein Schöpfer wollte nur seine eigene willentliche Einflussnahme völlig unterbinden – wie könnte er sicher stellen, dass nicht doch über unbewusste Kanäle sein unbändiges Ego wirkte? John Cage, längst verstorbener  Avantgardekomponist und Pilzforscher ersann aberwitzige Konstruktionen, um sein künstlerisches Ego beim Schaffensprozess außen vor zu lassen. Eine seiner Komposintionen sieht vor, dass bei Radiogeräten bestimmte vordefinierte Frequenzen eingestellt werden, so dass die jeweils zum Zeitpunkt der Aufführung zufällig gesendeten Beiträge im Zusammenklang das Werk ergeben. Für die folgenden, vom Zufall fein gesponnenen Gewebe ließ sich mein gestalterisches Wollen nicht in diesem Maße zurückdrängen, sind doch bereits die Auswahl von Bildträger und Farbmaterial sowie das genaue Prozedere beim Herstellen der Farbverläufe von mir vorgegeben. Bleibt immerhin die diebische Freude darüber, die mühsame Detailarbeit ganz dem Zufall – was auch immer das sein mag – überlassen zu können:

 

Klecksografische Miniatur askjr

 

Klecksografische Miniatur oiru

 

Klecksografische Miniatur ckjs

 

Klecksografische Miniatur xlku

 

Klecksografische Miniatur lrkjjpg

 

Klecksografische Miniatur xlkjg

Und hier präsentiere ich der geneigten Leserschaft in aller gebotenen Bescheidenheit die ersten Erzeugnisse einer neuen bildgebenden Technik. In Anlehnung an den großen Man Ray – der seine Zufallsbelichtungen auf Fotopapier Rayografie taufte – nenne ich sie Webografie. Als doppelt abgesichtert darf der Rekurs zu Man Ray gelten: aufgrund der Ähnlichkeit des Verfahrens, dann aber auch quasi Familienhistorisch-Anektdotisch: Im Nachlass meines jüngst verstorbenen Onkels fand sich ein Kunstband zu Man Ray. Darin ein ausgeschnittener Zeitungsartikel über eine Fotografin, die Ray in seinem Pariser Atelier aufgesucht hatte, um von ihm zu lernen. Im Text findet eine Couch Erwähnung, auf der sitzend Man Ray die Fotografin portraitiert habe. Dazu am Rand des Artikels das handschiftliche Notat meines Onkels: „Sommer 1963 saß ich mit Schubert und … auf dieser Couch!“ Über das Verfahren zur Herstellung einer Webografie hier nur so viel: Eitempera und unbelichtetes Fotopapier werden dem freien Spiel der Licht-und Kräfteverhältnise überlassen.

 

Webografie ose

 

Webografie sdlkj

 

 

 

 

 

 

 

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