Das schweigende Licht

April 14, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

„…Wer sich die Mühe macht, am frühen Morgen dieses Hochplateau hinaufzusteigen, dem erschließt sich ein herrliches Panorama dieser an Gegensätzen reichen Landschaft. In der kurzen Zeitspanne des schweigenden Lichtes, das den sommerlichen Sonnenaufgang einleitet, wird die Küste Pamphyliens, als feiner Streifen am nordöstlichen Horizont das Meer vom Himmel trennend, sichtbar. Nach Südosten dehnt sich endlos das Meer, während südlich das Kap Adrasan und der steil aufsteigended Musa Dag (Moses-Berg) den Horizont begrenzen. Die Bucht von Olympos verbirgt sich hinter dem Kara Dag, in dessen östlicher Verlängerung die kahlen Felsinselchen Üc Adalar im Meer liegen. Weiter im Westen gehen die vom Meer steil aufsteigenden Umrisse des Kara Dag in die hintereinander gestaffelten Höhenzüge über, aus denen der Bursak Cay dem Meer zufließt. In scheinbar greifbarer Nähe baut sich schließlich die breit hingelagerte Ostflanke des Tahtali Dag auf, der vielleicht mit dem Götterberg … gleichzusetzen ist. Vor Sonnenaufgang leuchtet sein 2375 m hoher Felsgipfel erst fahl, dann blau und rötlich auf. Etwa 800 m unter dem kahlen Kalkgipfel setzt der grünliche Vegetationsschleier ein. Die Hänge senken sich dann in sanfterem Schwung und sind dichter und dichter mit Aleppokiefern besetzt. Schließlich läuft der Berg in dem nur schwach geneigten Plateau aus, auf dessen Vorsprung stehend wir die Landschaft beschreiben. Seine in der Regel 20 m hohe Abbruchkante ist von hier aus nach Westen als rot leuchtendes Felsband erkennbar…“

Erst im Nachhinein fand ich diesen Text, und ärgerte mich ein wenig, mir nicht die Mühe gemacht zu haben, in aller Frühe aufgebrochen zu sein um in der kurzen Spanne des sicher auch im Frühling vor Sonnenaufgang „schweigenden Lichtes“ meinen Blick über dieses so anschaulich beschriebene Panorama schweifen zu lassen. Das Zitat ist einer wissenschaftlichen Publikation entnommen: „Phaselis. Beiträge zur Geschichte und Topographie der Stadt und ihrer Häfen“* und stammt von einem der Autoren, Jörg Schäfer. In den vierzig Jahren, die seither vergangen sind, erlebte die türkische Mittelmeerküste einen exzessiven Bauboom an Hotels. Dennoch liegen die Ruinen der antiken Stadt Phaselis nahezu unberührt davon inmitten eines idyllischen Küstenabschnitts am Fuße des 2375 Meter hohen Tahtali Dag.

Weit davon entfernt, eine bildiche Umsetzung dieser im Zitat so eindringlich heraufbeschworenen Szenerie – aufgespannt zwischen Gebirgsklüften, Strand- und Wiesendurchsetzter Küste, antiken Trümmern und einem silbrig in die Ferne sich zurückziehenden Meer auch nur zu versuchen, bleibt das magische Wort vom „schweigenden Licht“ doch Inspirationsquelle für künftige bildnerische Versuche. Hier bleibt’s indes vorerst unbunt, in Gestalt zwei weiterer noch mitgebrachter Skizzen, aufgezeichnet am Strand der Südbucht von Phaselis

 

Südbucht Phaselis Kohle

 

Südbucht Phaselis Tusche

sowie eines trockenen Versuchs, einige Trümmer des antiken Phaselis zu packen

 

Phaselis Ruinen

*Tübingen 1981, S. 19 f.

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