Martin Kasper

April 21, 2014 § 4 Kommentare

Kann ich hier gegenwärtig auch keine eigenen Bilder zeigen, so kann ich doch die anderer kommentieren. Ich besuchte heute auf der allerliebst frühlingshaft strahlenden Mathildenhöhe zu Darmstadt die Ausstellung „Martin Kasper. Echokammer“. Martin Kasper, Jahrgang 1962, malt Räume und Menschen, nicht: Menschen in Räumen. Mit dünn auf (ungrundierter?) Leinwand auf getragener Tempera und feinem Gespür für Licht, Farbe und Materialität. Seine Räume atmen eine luftige Transparenz. Lange verweilte ich vor der Ansicht eines hoch herrschaftlich anmutenden Raumes, vermutlich innerhalb eines Schlosses, matt glänzendes Parkett, leer bis auf wenig Dekor, zentral gegenüber eine Frauenbüste, Zwiesprache haltend mit dem Betrachter. Von der Decke hängen Kugelleuchten im Stile der 60iger Moderne und fügen sich weiß-grau-bläulich schimmernd wunderbar ein in den Gesamtfarbraum – trotz des „Stilbruches“. Vermutlich ist hier kein realer Raum wieder gegeben, sondern ein aus vorgefundenen Elementen komponierter. Faszinierend. Kernstück der Ausstellung ein Raum, dessen eine Wand nahezu vollständig von einem Bild eingenommen wird (6 Meter lang), das den Raum zeigt, in dem man steht. Kasper hatte anhand von Fotos, die er im Raum aufgenommen hatte, über drei Monate in seinem Atelier das Bild eigens für die Ausstellung gemalt. Und so sieht man nun im Bild die gegen überliegende Wand, an der bereits Bilder Kaspers hingen, als das große Bild gemalt wurde. Er malte also in sein Bild eigene Bilder hinein, u. a. ein großes Atelierbild mit Selbstportät, und die Ansicht eines Ausstellungsraumes, wiederum mit Bildern an den Wänden. Ergibt summa summarum Bilder in Bildern im Bild, mit Fluchtlinien, die sich durch reale und gemalte Räumen hindurch kreuzen. Interessant für mich persönlich der Einblick in den kreativen Prozess. Beim Malen eines Bildes geht’s ja weniger darum, was man malt, als darum, was man weglässt. Oder wie man sich aneignet, was man sieht. Und das war das tolle am Konzept dieser Ausstellung – die leider heute bereits ihre Pforten schließt: in diesem Raum, der „Echokammer“, lässt sich studieren, wie die in den anderen Räumen hängenden Bilder entstanden sein mögen, wie sich das Verhältnis von Vorgefundenem und Imaginiertem in der Arbeit des Malers ausdifferenziert. Welche künstlerischen Entscheidungen er trifft. Ins Auge stechend die Vorliebe für glänzende, reflektierende Fußböden. Sie entmaterialisieren hermetische Räume, bringen sie zum Leuchten und Schweben. Der reale Parkettboden der Echokammer ist stumpf. In Kaspers Bild entfaltet der Raum magischen Glanz, denn der matt lackierte Fußboden nimmt die Vertikale auf und wirft sie ins Unendliche. Und auf subtile Weise löst Kipper die Zentralperspektive auf. Vorlage müssen etliche von verschiedenen Standpunkten aus aufgenommene Fotos gewesen sein, und nicht das eine, mit Fischauge zentral geknippste . Man könnte auch sagen, der Blick gleicht dem aus großer Entfernung, aber herangezoomt. In der Wirkung potenziert sich der gemalte Raum in Palastdimension, während man real in einer „Kammer“ steht. Hach, die Malerei…

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