Rodins Zeichnungen

Januar 13, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Über Jahrhunderte gehörte das Zeichnen nach einem Aktmodell in klassischer Pose zur Grundausbildung des Malers. Die Darstellung antiker Mythen und biblischer Szenen erforderte die anatomisch korrekte Darstellung des (nackten) Menschen in unterschiedlichsten Handlungszusammenhängen, aus unterschiedlichsten Perspektiven. Zeichnerische Studien, die Ölgemälde vorbereitend, finden sich in den Nachlässen aller Maler. Aber erst im Laufe des  19. Jahrhunderts rückt die „Lust am Körper“ immer unverholener in den Focus darstellender Kunst. Rodin und Klimt schließlich fertigten in ihren Ateliers hunderte, ja tausende Aktzeichnungen an, getragen von einer Begeisterung für weibliche Formen und ihrer erotischen Ausstrahlung. Explizit galt es, den Körper in seiner Natürlichkeit, das heißt eben: nicht posierend, zu erfassen. Und es galt, die Bewegung, den flüchtigen Moment einzufangen. Rodin zeichnete schnell, ohne auf’s Papier zu schauen. Die Hände sollten fühlen, was die Augen sehen. So entstanden einzigartige Aquarelle, denn die flüchtig auf’s Papier geworfene Kontur emotionalisierte er anschließend durch wenige Farbtöne. Man könnte auch sagen: mit der feuchten Farbe das Papier überschwemmend nahm er die Figur in Besitz. Die Zeitgenossen, so sie denn diese Zeichnungen zu Gesicht bekamen, waren ob ihrer unverholenen Erotik teils geschockt, teils begeistert. Klee empfand sie so genial einfach wie monumental. (Nachzulesen hier) Ich meinerseits lasse mich davon gerne anregen, bleibe ansonsten aber schön auf dem Teppich. Ich zeichne schnell, schaue möglichst nicht auf’s Papier, und verbrate Tonnenweise Schmierpapier. Und das kommt dabei heraus:

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