Wozu die Zeit taugt, und wozu nicht

Dezember 30, 2012 § Ein Kommentar

Von Mark Hollis, dem begnadeten Frontman der Band mit der erstaunlichsten Genese der Popmusikgeschichte, Talk Talk, ist der Ausspruch überliefert: „Before you play two notes, learn how to play one note“. So ist es auch beim Zeichnen: bevor du einen zweiten Strich setzt, sieh zu, dass der erste richtig ist. Das wurde mir jetzt schmerzlich bewusst bei erneuten Versuchen, zu portraitieren. Zugleich lüftete sich ein erstaunliches Geheimnis: bereits wenige Striche auf dem Papier lassen erkennen, ob das Portrait was werden kann oder nicht. Zu oft habe ich bei meinen bisherigen Versuchen einfach immer weiter gezeichnet, in dem Bemühen, es doch noch irgendwie hinzubiegen. Am Ende stand immer Frustration, weil man sich eingestehen muss: es war nix. Der Schlüssel zum Erfolg für mich: Zeit! Wenn ich es mir leisten könnte, ginge ich nach jedem Strich einen Cafe trinken, eine Runde spazieren, oder träumte einfach nur den vor meinem Fenster vorbeiziehenden Wolken hinterher. Und wenn ich dann beim Betrachten des einen neu dazugesetzten Striches auf dem Papier noch immer das fertige Gesicht sehe, ziehe ich die nächste Linie. Und immer so weiter. Jeder neue Strich ist also die Entscheidung vor einer Weggabelung: rechts geht’s weiter, links wartet undurchdringliches Gestrüpp. Aber zwischen mich und die Zeit hat der liebe Gott die Ungeduld gesetzt, das sofortige Verlangen: alles jetzt und zwar sofort. Das INSTANTÖSE BILD. Nun ist aber Zeit vielleicht nichts anderes als Raum: alles immer schon da, wir sehen es nur (noch) nicht (Gott sei Dank einerseits – wie sollten wir aushalten, dass alles auf einmal passiert; schade andererseits – immerzu muss man warten…) Meine Strategie für das neue Jahr: Zeichnen lernen durch permanentes Üben (so wie man mal lesen gelernt hat), dann wäre die „verübte“ Zeit gewissermaßen eingefroren stets abrufbar. Ich bräuchte nur an den Kühlschrank gehen und sie mir rausholen, mit ihr das Bild eruptiv raushauen – und wenn ich nach einem Spaziergang zurück käme, wäre immer noch alles richtig. Mal schauen ob das Jahr dafür ausreicht…

Und hier schon mal ein erstes Ergebnis. Da hab ich mir (wenigstens ein wenig) Zeit gelassen. Vorlage war ein altes Foto (das Schöne an Fotos: sie bleiben). Zunächst Stadium eins:

Petra Kindt

Petra Kindt

dann die fertige Zeichnung:

Petra Kindt

Petra Kindt

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