Oktober 19, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach drei Tagen Wandern im Elbsandsteingebirge zurück in der großen Stadt zeichne ich nun Felsen, getürmt, geschichtet ineinander verkeilt, aufragend. Es ist aber zum verzweifeln, denn nur weil das Auge jeder noch so bizarren Felsszenerie ein „Gesicht“ verleiht, gelingt es noch lange nicht, diese „sprechenden“ Linien auch zu finden. Derzeit ist ja der menschliche, gelegentlich auch tierische Körper mein Thema, und für die Felsen müsste ich nun ein völlig neues Kapitel aufschlagen… Allerdings: wenn der Felsbrocken zum Gesicht tendiert, ist das vielleicht ein lohnender Umweg…

das gleiche mit etwas Farbe:

200 Jahre vor mir durchwanderte Caspar David Friedrich die Sächsische Schweiz (Caspar David Friedrich in der Sächsischen Schweiz. Skizzen. Motive. Bilder), und bei ihm sieht’s natürlich ganz leicht aus. Aus dem Konvolut der Zeichnungen hat er sich später für die Kompositionen seiner Ölgemälde bedient, ohne Rücksicht auf ursprüngliche Größenordnung oder Perspektive der gezeichneten Szenerien. Der berühmte „Wanderer über dem Nebelgebirge“ z. B. ist aus mehreren genau lokalisierbaren Motiven zusammengesetzt. A propos „zusammengesetzt“: Wiederum 200 Jahre nach C. F. Friedrich ist ein anderer Maler stolz darauf, seine Bildkompositionen gerade nicht aus Versatzstücken zu arrangieren – er bezieht sich freilich hier nicht mehr auf „erwandernd“ Gezeichnetes, sondern auf das Internet als Bildquelle. Im Gespräch mit Werner Spieß reklamiert der Leipziger Maler Neo Rauch (Neo Rauch. 2011) für sich, seine Bildkompositionen frei malend zu entwickeln. Keine Vorstudien, kein ausgearbeiteter Plan. Und wenn er dafür schon nicht mehr hinaus muss in die Natur, so fließt sie doch metaphorisch ein in schöne Formulierungen wie diese: „…es schlägt sich etwas nieder wie ein Tau auf meiner Leinwand, und ich muss es ‚nur noch’ ordnen…“ (S. 38). Und: „Für mich wirkt Malerei am stärksten, wenn sie mit der absichtslosen Selbstverständlichkeit eines Naturereignisses auftritt“ (S.57) Da verneigt sich der Dilettant und kleckst beschämt weiter:

Im Gebirge sahen wir zwar Schafe und keine Wisents, aber die Vorlage für dieses Prachtexemplar fand ich zufällig in einem alten Wegweiser durch den Zoo Berlin:

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