Acryllieren

Juli 5, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

o. T.

Da ich weder ein geräumiges Atelier habe noch ausreichend Zeit am Stück, bevorzuge ich das schnelle, kleine spontane, vorläufige, äußeren Umständen geschuldete Bild. Dazu passte lange Zeit die Aquarelltechnik – es bedarf keiner umständlichen Vor- und Nachbereitung, Pinsel ins Wasser und einfach alles liegenlassen bis zum nächsten Tag. Ich bin auch kein Freund ausgiebigen Korrigierens und Feilens. Es ist stets das, was der Moment hergibt.

o. T.

Mich reizte aber irgendwann Acryl, denn alles Aquarellierte hatte für mich so eine irgendwie brave, verpiefte Anmutung. Nun bin ich bin von Hause aus sparsam (schon daran erkennt man den Dilettant in mir; der Künstler ist ja stets maßlos in seinem Tun), und es nervte, zu viel aus den Tuben gedrückte Farbe jämmerlich eintrocknen zu sehen. So kam ich irgendwann darauf, die Acrylwürste in aufgebrauchte Frischkäsebecher zu geben und soweit mit Wasser aufzufüllen, dass sie nicht eintrocknen können. Beim Arbeiten mit vielen dieser gewässerten Becher merkte ich, dass ich so wunderbar flexibel arbeiten kann: eher deckend mit noch nicht aufgelöster Farbe, oder lasierend mit dem getönten Wasser. Herrlich. Jeden Abend gieße ich nun meine Töpfchen und sehe zu, dass das Acryl stets feucht bleibt. Im Laufe der Zeit mischen sich die Farben mehr und mehr (bis man mal wieder frisch aus der Tube „nachdrückt“). Ein Effekt, der durchaus erwünscht ist. Ich nenne diese Technik „Acryllieren“. Die Ergebnisse überflügeln meine früheren Aquarelle, denn der Farbauftrag ist oft körniger, „unsauberer“. Dies in Verbindung mit anderen Medien wie Kohle, Fettstift, Kugelschreiber, wasserlöslichem Filzstift, Wachsmalkreide etc. führt zu den von mir favorisierten kleinen Unvorhersehbarkeiten infolge gegenseitigen Abstoßens und Auslöschens der verschiedenen Materialien. Ich nehme sowieso am liebsten Malgründe, die bereits Spuren gewisser zufälliger Prozeduren aufweisen, z. B. Papier, das auf meinem zum Maltisch mutierten Schreibtisch infolge fortwährenden Aufschichtens neuer Objekte „sedimentierte“ und dabei den ein oder anderen Farbspritzer o. ä. abbekam. Ich habe mich oft gefragt, warum mir solcher Art „genuschelter“ Bilder mehr zusagen als „sorgfältig schön“ gemalte. Meine Erklärung dazu demnächst an dieser Stelle…

o. T.

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